Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
12.01.2012

sex IN DER FREIZEIT: Lokalaugenschein

Irgendwie aufregender soll der Sex 2012 werden. Also denken manche nach und finden: Ein Ortswechsel muss her. Sex in der U-Bahn oder sonst irgendwo. Das riecht nach maximaler Hemmungslosigkeit, Spontanität, der blanken Gier.

Vorsätze 2012: Karl (42) möchte 2012 weniger onanieren. Der Kevin (31) wiederum überlegt eine Vornamensänderung für seine Brunft-Trips ins Internet. Seit er nämlich wo gelesen hat, dass man mit "Kevin" bei Singlebörsen eher absäuft (die Forschung, wieder einmal!), weiß er, warum alles so kam, wie es 2011 gekommen ist.

Trotz heftigen Herumtreibens auf ichwillvoegeln.com (oder so) und lassmichreinbeidir.de (in etwa) kam er 2011 nie zum Stich. Heuer muss alles anders werden: Kevin nicht mehr alleine zu Haus – stattdessen 10 Kilo weniger und mindestens 10 Frauen mehr. Ein neuer Name für die Pantscherl-Börsen muss her. Jetzt nennt sich der Kevin Alex. Weil die Alexe angeblich super abräumen. Das wird was. Da geht was. Und der Karl? Der meint, dass er seine Sehnenscheidenentzündung in den Griff kriegen muss. Sich mit links einen runterholen kann er leider nicht – zu unkoordiniert. Drei Mal täglich muss außerdem nicht sein. Auch bei ihm soll heuer manches anders werden: Mehr Sex zu zweit etwa, es gibt ja die Elfriede. Und mit der ist der Karl doch schon seit ein paar Jahren verheiratet. Mehr Sport, wie auch immer, wäre überhaupt eine Option.

Wobei... Karl muss an den Sex denken, den er 2011 zu zweit hatte. Er war fad. Karl oben, Elfriede unten. Elfriede eher leise, Karl eher schnell. Das alles eher zu selten. Karl möchte wieder aufregenden Sex haben – und nicht nur beim Onanieren daran denken, dass er aufregenden Sex haben könnte. Das hat er mir geschrieben. Und mich gefragt, ob es denn was bringen würde, den Sex an "spektakuläre Orte" zu verlegen. Er denke an die Nummer im Bad, am Klo eines Wiener Vorstadtwirtshauses, in der U-Bahn. Oder am Schreibtisch seiner Schwiegermutter. Was Arges halt.

Selbstverständlich ist es fein, woanders zu vögeln statt im Ehebett. Den besten Fick hat man oft einmal im Aufzug eines Kaufhauses oder Nobelhotels. Das vor allem, wenn die Geilheit extrem akut und der Sex in der Sekunde sein muss. Meist ist das keine Elfi-Karl-Konstellation, sondern eher eine "Wie war nochmal dein Name, auch wurscht"-Szenerie. Ich will nicht desillusionieren, aber: Ein Ort alleine macht noch keinen Jahrhundertsex. Wenn der Herr Karl seine Elfi erigiert ins Badezimmer schleift und sie an den Rand der Sitzbadewanne drängt, muss das nicht zwingend in multiplen Orgasmen enden. Kann nämlich sein, dass die Elfi dreckige Fliesenfugen entdeckt. Und flugs, entsteht das typische Kopfkino: Elfriede schlendert, während sich der Karl im Hintergrund abmüht, mental durch den Baumarkt. Statt geil zu werden, sieht sie Spaten und Schläuche und denkt daran, dass im Sommer ein neuer Griller her muss. Von dort ist es zum Laubsauger auch nicht weit. Und knapp bevor der Karl gerne kommen würde, hört die Elfi auf, sich zu bücken – um sich darüber aufzuregen, dass Laubsauger scheißteuer sind.

Ich will jetzt nicht pessimistisch wirken, die Geschichte kann natürlich anders ausgehen. Die beiden schnackseln, dass die Kacheln wackeln. Ich wünsch’ dem Karl das. Generell gilt dennoch: Sex an ungewöhnlichen Orten ist möglich, aber überbewertet. Mehr dazu lesen Sie bitte nächste Woche.gabriele.kuhn(at)kurier.at