Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
16.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Kreuz und quer

Für viele ist Partnertausch der kleine feuchte Traum im Geheimen. Mögliche Konstellationen gibt es viele – jede hat für sich ihre Vor- und Nachteile. Dennoch bleiben viele Fragen zum Mixed Doppel bzw. Dreier offen.

Irgendwann an diesem Abend war Schluss mit dem Krisengerede. Die gemischte Runde hatte sich über Ehekrise, Schuldenkrise, Formkrise und den kollektiven Bad Hair Day echauffiert. Genug gemotzt, geweint, gejammert und genug Spritzer konsumiert, um zu Saftigerem zu wechseln.

"Kann man einen Dreier eigentlich planen?", warf der Wirtschaftsanwalt in die Menge, just nachdem seine Frau Richtung Toilette aufgebrochen war, um den Pony neu zu arrangieren. Kurz dachte man, es ginge um Glücksspiel, denn meine Sitznachbarin – eine Ergotherapeutin – antwortete: "Wieso sollte man einen Dreier planen, interessant ist doch nur ein Lottosechser, oder?"

Der Doktor präzisierte: "Mir geht’s ums Vögeln. Zu dritt. Zu viert." Das Schweigen währte nur kurz, die Entrüstung hielt sich in Grenzen. "Was soll man bei einem Dreier schon planen – die Kondomausgabe?", quittierte die Ergotherapeutin. Sie sollte es von allen am besten wissen, hatte sie sich in jüngeren Jahren in einem indischen Ashram durch die Kollekte gebumst, um "ihre Energieströme" zum Juchzen zu bringen. Reifer geworden, urlaubt sie jetzt im All-inclusive-Club und konsumiert maximal einen Animateur pro Reise.

Die nun folgende Diskussion ließ darauf schließen: Partnertausch ist ein subkutanes Thema. Und wenn’s nur Fantasie bleibt: Speziell in langen Partynächten inspiriert die Quertreiberei alle Denk- und Geschlechtsorgane. Mögliche Konstellationen gäbe es viele: 1.) Freundin, Freundin – plus der Mann einer dieser Damen. Hier sind Themen wie Überforderung, Eifersucht, postorgasmische Stutenbissigkeit und Selbstwertkrisen (bläst sie besser als ich, hat sie einen schöneren Hintern als ich, findet er sie geiler als mich?) in Betracht zu ziehen. Nachsatz: Die Konstellation ist Top-Favorit von Männern: Zwei Damen haben einander lieb, er legt allenfalls Hand an sich. 2. Freund, Freund – plus die Frau einer dieser Herren. Auch hier lauern Probleme: Viele Männer ertragen es trotz aller Geilheit nicht, den Buddy in der eigenen Frau stecken zu sehen. Und noch weniger goutieren sie es, wenn die doppelt Beglückte womöglich lauter schreit und öfter kommt als bei ihnen. Außerdem finden viele Herren die Idee nicht prickelnd, die Hoden ihres Kumpels so hautnah hüpfen zu sehen. Nachsatz: Eine Kombi, die naturgemäß Frauen wünschen. 3.) Freundin, Freundin, Freund und Freund. Das ist die klassische Partnertausch-Konstellation. Hier ist vieles möglich: Wahrscheinlich ist, dass die beiden Damen miteinander spielen. Unwahrscheinlich ist, dass die Männer einander das Gemächt schaukeln. Und natürlich wird nicht mit dem vertrauten Partner herumgefummelt. Die Gefahren: Zwei sind durch den Lust-Wandel so sehr animiert, dass sie ein weiteres Treffen arrangieren. Im Stundenhotel, aber ohne die anderen. Im Worst Case landet die Causa Gruppensex bei einer frigiden Scheidungsanwältin.

Wer’s wissen will: Die o.g. Diskussion endete spätnachts mit folgender Conclusio: Ein geplanter Dreier oder Vierer entspräche zwar unserer westlichen Mentalität, alles irgendwie zu planen. Aber Spontanität rules. Der ergibt sich. Oder auch nicht. Letzteres ist oft einmal besser für die gute Freundschaft.

gabriele.kuhn(at)kurier.at