Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
05.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Ich will alles

Sexskandale, wohin der Voyeur blickt - und das meist im Umfeld machtvoller Männer.

Das muss der Skorpion-Vollmond sein, sagt die himmelskörperfreundliche Großcousine F. Das muss der drohende Weltuntergang sein, der uns alle voll arg wurlert macht, sagt A, die auf Verschwörungstheorien schwört. Das muss die Verschiebung des Erdmagnetfelds sein, in Verbindung mit der starken Sonnenfleckenaktivität, meint H. Genau so hat sie es nämlich - wo nochmal? - gelesen. Sie alle suchen nach den Gründen für die aktuelle Kumulation diverser Sexskandale und triebinduzierter Verhaltensauffälligkeiten. Da ein IWF-Chef, der sich nicht nur verdächtig gemacht hat (ob Schuld oder nicht Schuld, stand zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen nicht fest), sondern dessen hyperaktive Lende nun auch für die tolerante Grande Nation zum unübersehbaren Staats-Akt wurde. Dort die steirische Eichel, die im Dienstmädchentrakt herumstocherte und dabei, pardauz, einen Mini-Terminator bastelte. Mein persönlicher Lieblingsskandal ist allerdings der vom Betriebsausflug deutscher Versicherungs- vertreter. Wer die Geschichte noch nicht kennt: Die Versicherung Hamburg-Mannheimer lud ihre besten Vertreter zu einer Libido-Motivationsreise nach Ungarn. Motto für Daheimgebliebene: "Darling, ich bin auf Klausur". Bei einer Abendveranstaltung war dann die eine oder andere paprizierte Schönheit anwesend - Miet-Miezen, dekoriert mit roten und gelben Bändchen, was die jeweilige Verfügbarkeit ("Hostess only" oder aber "Mädchen für alles und alle") signalisieren sollte. Weißes Band hieß übrigens so etwas wie: "Reserviert für die Salamis der Vorstandsetage." Jetzt flog die Sache auf. Shocking? Müdes Lächeln meinerseits. Zum Notieren: Es braucht keinen Vollmond, keinen Weltuntergang und auch keine Sonnenflecken, dass immer einer geil ist und bleibt. Einer? Ha! Das wird sich nicht ändern - so lange sich dieser Planet dreht. Und zwar speziell dort, wo die Macht - meist, aber nicht immer ist diese männlich - im Schritt für eine narzisstisch getriebene Dauererektion sorgt. Das Zauberwort zu diesem Thema heißt Verfügbarkeit. Menschen, die es gewöhnt sind, im Bedarfsfall mit dem Finger zu schnipsen, damit sich daraufhin alle in den Staub hauen, um dienlich zu sein, sind so. Für sie ist auch der Koitus ein handelsübliches Konsumgut wie Kaviar, 100 Jahre alter Cognac oder die lebenslange Option auf den besten Platz im Flieger nach Paris. Wer will, der hat - und kriegt. Im besten Fall sogar das stille D'accord der Ehefrau - siehe Hillary Clinton (Motto "Stand by your man", auch wenn er täglich eine andere ins Oral Office bemüht hätte). Oder, seinerzeit, Jackie Kennedy, die das Bühnendrama der glücklichen Gattin stets perfekt gab. Und jetzt eben Anne Sinclair - Mme. Strauss-Kahn, die sich - für Zuseher beinahe peinigend - zu ihrem Mann bekennt. Und Maria Shriver wird wohl auch lange überlegt haben. So viel Selbstverständnis führt Alpha-Menschen direkt ins Reich der Selbstüberschätzung: Ich will alles, weil mir alles zusteht. Wein, Weib, Gesang - am besten garniert mit Applaus. Schön blöd für die Machthaber, wenn was danebengeht - das Viagra der Dominanz schicksalhaft seine Wirkung verfehlt. Und so mancher Silberrücken kapieren muss: Der Herr kann gehen. Am besten subito.