Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
05.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Guter Rat für Küsserkönige

Für Liebhaber des feuchten, eindringlichen Zungenpritschlers war der royale Kuss vom 29. April 2011 eine Riesenenttäuschung.

Erst der berühmteste Nicht-Kuss der Dekade, dann die Aussicht auf ein Zehn-Wochen-Solo - so ist das, wenn man plötzlich Prinzessin wird. Ich habe keine Ahnung, ob Miss Middleton wusste, worauf sie sich da einlässt - fix scheint: Prickelnd ist da nix. Wobei sich für mich sowieso die Frage stellt, wie royale Erotik aussehen könnte. Ich weiß ja, dass sich's laut blaublütiger Etikette nicht schickt, coram publico allzu intim und "in love" zu wirken. Distanz heißt das Credo, man schmust schließlich nicht auf dem Balkon des Fuckingham Palace. Dennoch ging einigen meiner royal angehauchten Romantiker-Freundinnen, die Wedding-Partys an Teebeuteln und Plumpudding-Grauslichkeiten schmissen, die Fantasie durch. Nach dem fünften Hochzeitsachtel après Kuss begannen sie zu imaginieren, wie es gewesen wäre, hätte Willi-Boy seine Prinzenrolle - die Zunge - unerzogen herzöglich in das Middleton-Mäulchen geschoben. Welch ein Trara! Die Queen wäre vermutlich an akutem Herzstillstand (so es da auch wirklich etwas gibt, was stillstehen könnte) verblichen, Prinz Charles hätte enthemmt mit einem Tampon jongliert oder an ein Ökopflänzchen gepinkelt - und das Fußvolk? Das hätte wohl gejubelt. Weil in den Niederungen des Bürgerlichen nur ein echter Kuss als echtes Beweisstück für Liebe gilt.

Vielleicht wäre es gut gewesen, Willi und Kate vorab ein kleines Schmuse-Briefing zu schenken: "Durchlaucht, ein Kuss verbraucht 20 Kalorien, viel Küssen verlängert die Lebensdauer bis zu fünf Jahren und gegen Karies hilft's auch. Besides, my dear ones, dauert der Durchschnitts-Kuss 12 Sekunden!" Bewusst und allenfalls mit leichtem Zungenschlag genossen, rangiert er als Amuse gueule des Amourösen ungeschlagen auf Rang 1 der Vorspiel-Hitparade. Das Schöne daran: Ein Kuss kann unglaublich variantenreich sein. Zart oder hart, vorsichtig oder gierig, zögernd oder fordernd. Nur das sollte er nicht sein: höfisch höflich. Ein Kuss hat etwas Eindringliches - indem wir die Körpergrenzen des Partners oral überschreiten, tauchen wir ein Stück im anderen ein. Dabei ist Fühlen angesagt: Die Lippen mit ihrer zarten Hautschicht gelten als extrem sensible Körperregion. Ein Kuss hat Macht: Konveniert er nicht, war's das auch schon wieder. Dabei geht es vor allem um den Geruch, der beim Küssen - unbewusst - wahrgenommen wird. Doch im Fall von WillKat wohl eher wurscht, verheiratet sind sie ja schon. Wo sich der Gatte sowieso demnächst zehn Wochen vertschüssen und mit Hubschraubern schmusen muss. Vielleicht kommt für die beiden - und alle anderen Menschen, die in einer Fernliaison verwickelt sind - folgender Trend gerade recht: Laut der Universität für Elektronische Kommunikation in Kajimoto ist E-Kissing die Zukunft. Deshalb arbeitet man dort an einem Tool, das es ermöglichen soll, via Internet zu knutschen. Das Gerät ähnelt einem Fleischwolf und verfügt über zwei Röhrchen, die sich die Protagonisten in den Mund schieben. Dann wird der Kuss sozusagen long distance "übersetzt" und von A nach B übertragen. In Kombi mit Skype soll das - angeblich - der Knaller sein. Allenfalls auch für a little High von His Royal Highnes.