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Meinung Kolumnen Sex in der freizeit
03/09/2012

sex IN DER FREIZEIT: Es ist nicht so, wie du denkst

Einer der einst mächtigsten Männer der Welt hatte Sex mit Callgirls und will nun alle glauben machen, er hätte das nicht gewusst. Was in die Kategorie "Es ist nicht so, wie du denkst" fällt. Die eint Strauss-Kahn mit vielen seiner Geschlechtsgenossen.

von Gabriele Kuhn

Das ist aber schön doof, Domi – jetzt musst du – der einst große Dominique Strauss-Kahn – dich erneut von der Staatsgewalt anpinkeln lassen.

Das alles nur wegen ein paar lebenslustiger Frauen auf ein paar lustigen Partys, die halt total zufällig total geil auf dich waren. Non, non pas du tout waren die Damen Callgirls – was für ein merde Irrglaube! Wo Domi doch bei käuflichem Sex akut Pusteln bekommt – ich darf zitieren: "Isch abe Orror vor Prostitüsion ünd Suhälterei". Aaaaarmer, grauer, dauerrolliger Franzose, der von nix gewusst haben will und reingelegt wurde.

Tja, die Sache passt wieder einmal perfekt in die bekannte Kategorie "Es ist nicht so, wie du denkst". So versuchen Männer seit Jahrhunderten nackte Tatsachen harmlos zu reden, um die Welt, vor allem aber ihre Frauen, für grenzdebil zu verkaufen. Ganz nach dem Motto: "Männer nehmen die Welt nicht wahr, weil sie selber glauben, sie seien die Welt." ( Virginia Woolf). Nein, die Sekretärin auf seinem Schoß war UmHimmelswillenwasdenkstduSchatz! keine Affäre – sondern bedurfte nur aufgrund dieser kleinen Kreislaufschwäche eines Sitzplatzes. Bitte, was eignet sich dafür besser als die zufällig vorhandene Erektion des Chefs? Das ist gelebtes Samaritertum aus Fleisch, Blut und großer Mitmenschlichkeit.

Nein, der Mittelfinger im Schritt der Freundin ist keineswegs ein handfester Beweis, dass die beiden miteinander seit Monaten ficken – sondern ...? Sondern, klar!, eine Fata Morgana. Sowas aber auch, die Hand war gar nicht dort: "Das hast du dir nur eingebildet. Du musst zum Augenarzt, mein Schatz. Vielleicht habe ich ihr ein Bröserl vom Kleid gewischt, mehr nicht."

Nein, die aufgerissene Packung Gummis mit Erdbeergeschmack in seinem Business-Anzug gehört keinesfalls dem ehelichen Hosenträger – sondern: "Dem jungen Kollegen aus der Controlling-Abteilung. Er bat mich, das Zeugs während unseres Abendmeetings für ihn aufzubewahren, während er auf die Toilette ging. Und dann, äh, dann kam der Mann nicht mehr zurück, seine Mutter hatte ihn zu sich ans Krankenbett beordert. Was, seine Mutter ist schon tot? Dann war’s wohl die Großmama. Oder die Erbtante. Es ist eben nicht so wie du denkst."

Tja, die Wahrheit ist eine Tochter der Geilheit – je geiler der Herr, desto weniger ist auf sein Echtheitssiegel Verlass. Wie oft hat DSK diesen "Es ist nicht so"-Satz wohl seiner Frau Anne Sinclair zu Trüffelhäppchen verklickert? Und wie oft hat Madame sich dabei auf die Lippen gebissen, um – öffentlich – die Stoische zu mimen?

Frauen können das – ob sie es sollen, ist eine andere Frage. Gewiss braucht es in der Partnerschaft Langmut und Toleranz. Oft gilt: Augen zu und durch – dieses leicht masochistische "Stand by your man". Sinclair wusste ja, wen sie sich ins Ehebett geholt hat. Einen Monsieur mit "faiblesse" – also (Charakter)Schwäche – und hyperaktivem Schwanz. Doch bei aller Liebe zur Liebe: Es ist grauenhaft, vor dem Publikum als Betrogene die Würde verlieren zu müssen. Das fängt im kleinen Kreis an – weil’s schon reicht, wenn Freunde oder Kollegen zu Mitwissern werden. Regel Nr. 1: Wenn schon fremdvögeln, dann bitte très elegant und diskret.

gabriele.kuhn(at)kurier.at

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