Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
20.03.2012

sex IN DER FREIZEIT: "Descends La Poubelle"

sex IN DER FREIZEIT: 19 Mal pro Tag © Bild: KURIER/Boroviczeny

Für nicht Frankophile: Obiger Satz heißt "Bring den Müll runter". Was das mit Sex zu tun hat, werden Sie jetzt einwerfen. Nichts. Und doch ganz viel.

"Das Ohr ist der Weg zum Herzen". Ein französisches Sprichwort. So wunderbar, so wahr.

Wo doch manche Frauen in die Hechelatmung wechseln, wenn sie einen Durchschnitts-Typen ein "Châteaubri- and pour deux" bestellen hören. Um zügig zu ernüchtern, wenn der Teilzeit-Sarkozy danach poltert: "Trink ma eh an Bordo dazua, Hasi?" Ah oui. Klar ist: Das Französische liegt auf der Hitliste der "erotischen Sprachen" weit oben – im Verbund mit Italienisch und Spanisch. Perfektion ist nicht unbedingt gefragt. Oft reicht einfach nur ein bisschen vom fremden Akzent, um die Libido-Lage auf Eiffelturm-Niveau zu katapultieren. Einer Frau, die ein "Isch abe Unger" raunt, wird vermutlich eher vernascht als jene, die gesteht, dass ihr der Magen schon seit Stunden heftig knurre. Der Vergleich macht viele sicher: Ein schnarriges "Ich bin kurz davor" im präorgasmischen Getaumel stinkt zu einem "Sono un po di più" (it.) eindeutig ab. Ein bisschen romanische Sprach-Romantik zwischen den Zeilen kommt einfach gut. Vielleicht masturbiert sogar erfolgreicher, wer sich ein geschmeidiges "Me vengo, me vengo" ("Ich komme") zur Handarbeit denkt.

Die Sprache ist der Hüftschwung der Zunge – ihre Melodie muss stimmen. Und da unterscheidet sich z. B. das Holländische garantiert von demFOTO: wunderbaren Singsang des südländischen Gigolos. Wissenschaftler sagen dazu "Prosodie": Die Gesamtheit spezifischer sprachlicher Eigenschaften wie Akzent, Intonation, Quantität und (Sprech-)Pausen muss passen.

7.000 lebende Sprachen gibt es weltweit. Aber nur wenige geben den Ton für die Horizontale an. Schön, dass mir seit einigen Tagen das Büchlein "Let`s speak Love" vorliegt. Darin finden erotisch Ambitionierte "die wichtigsten Sätze der Liebe" in fünf Sprachen. Wer seine Dirty-Talk-Zone im Hirn ein bisschen tunen möchte, muss es besitzen. Und zwar pronto.

Nur so viel: Ich bin das Werk schon durch und habe bereits meine persönlichen Favoriten notiert, die – was auch immer – etwas in mir zum Schwingen bringen. Beispiele, bitte sehr: Etwa das "Lass dich gehen, das ist ein Walzer" – im Italienischen: "Rilassati pure, è un valzer". Da braucht`s nicht einmal einen leichten Vino-Nobile-Fetzen, um akut mit einem "Yes, I can" darniederzusinken.

Vieles klingt woanders einfach feiner – mehr nach "Es ist, was es ist, ich hoffe es ist jetzt und es ist geil". So raunt sich z. B. die Einser-Frage "Zu dir, zu mir, ins Hotel?" frankophil charmanter: "Chez toi, chez moi ou à l’hotel?" Und sonst? Ich sage nur: "Je t’adore" ("Ich bete dich an", fr.). "Ti voglio." ("Ich will dich", it.). "Prendimi!" ("Nimm mich!", it.). Und die Kosenamen! "Angelo" (Engel, it.), " Mi vida" ("mein Leben", span.), "Mon lapin" (Hase, fr.). Da dampft’s im Schritt. Selbst unbequeme Botschaften klingen wie eine Serenade: "Non gridare cosi sveglierai tutti" ("Schrei nicht, du weckst das ganze Haus auf", it.), "Non ho sentito niente" ("Ich habe rein gar nichts empfunden", it.). "Come hai detto che ti chiami?" (Wie heißt du nochmal?, it.)" Oder aber: "Teno que irme, mi mujer (mi marido) me ésta esperando". Fast der wichtigste Satz (hier Spanisch) von allen: "Ich muss nach Hause, meine Frau (mein Mann) wartet auf mich."

gabriele.kuhn(at)kurier.at