Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
19.01.2013

Sex auf Rädern

Sex im Auto ist ungebrochen beliebt – und hat auch im Winter seinen speziellen Reiz. Vorausgesetzt, das Fahrzeug hat eine Sitzheizung.

Gabriele Kuhn | über Verkehrswesen, die gerne mobil vögeln

ls Frau gibt es – was Sex in einem Auto betrifft – nur zwei Optionen: Entweder man verdrängt die Liegesitz-Erinnerung. Oder man archiviert sie als Höhepunkt der Genital-Autobiografie.

Die Frage ist freilich: Warum haben zwei Menschen Sex auf vier Rädern? Ich habe dazu mehrere Thesen: 1.) Weil es der Augenblick – heißt: die akute Geilheit, so diktiert. Jetzt oder nie. 2.) Weil man sonst nirgendwo Platz hat, seine Lust auszuleben. Betroffen sind: Männer, die immer noch bei ihrer Mutter leben. Männer, die immer noch bei ihrer Frau leben. Männer und Frauen mit kleinen Kindern, die nie anklopfen, bevor sie ins Schlafzimmer taumeln und just nach Mami weinen, wenn die sich gerade unter Papi ein wenig zu entspannen versucht. 3.) Weil es Verkehrs-Wesen gibt, die wahnsinnig gerne vögeln, wenn Gefahr in Verzug ist und Polizisten, Passanten, Pornojäger in der Nähe sind. 4.) Autos repräsentieren – metaphorisch/psychologisch – das ICH. Speziell für das männliche Geschlecht ist die Idee, in MIR eine Frau flach zu legen, reizvoll. Eine Sache mit Kolbenreiberpotenzial.

Womit sich eine weitere Frage stellt: Welches Auto eignet sich für wen?

Für die Gruppe der Zeigefreudigen sind Cabrios ganz klar die ideale Spielwiese – total offen, einsichtig, exponiert. Hier lässt sich die ganze Exhibitionsmus- und Gefahrenpalette bis zum Anschlag ausreizen. Coitus interruptus liegt in der Luft, das Gefühl des gerissenen Gummis, eines plötzlichen „Was machen Sie da?“, dem Klicken von Handschellen, etc. etc. Thriller pur. Alles wunderbare Einparkhilfen für Exhibitionisten. Die Mami/Papi-Truppe wird es hingegen im Familien-Van treiben müssen – was gar nicht einmal so schlecht sein kann. Die Dinger sind geräumig, die Sitzflächen lassen sich zu einer komfortablen Turnmatte umbauen. Wer mag, kann gar einige Sitze aus dem Auto entfernen und es halb im Stehen treiben. Das geht, weil ein guter Vati gewohnt ist, all seine Aktivitäten von langer Hand vorzubereiten und er das Wort Spontanität nur mehr aus dem Fremdwörter-Lexikon kennt. Vermutlich brauchen die zwei nicht einmal Hygienartikel mitzunehmen, um sich diverse Körperflüssigkeiten vom Leib zu wischen. Irgendein Babypopsch-Wischtuch kugelt da garantiert herum. Einzig die Augen gilt es zu schließen – angesichts von Babysitz, herumliegenden Schnullern und Sonnenschutzfolien mit Bob, dem Baumeister drauf. Nun zum Typ Egobooster – den Herren, die es gerne in ihrem erweiterten Ich treiben, als eine Form der motorisierten Masturbation: Ich würde sagen, kommt auf den Herren an. Der Hutträger fühlt sich auch in einem grauen Mittelklassewagen wie ein Sextiger – vorausgesetzt, er hat die richtige Frau auf seinem Beifahrersitz. Bei anderen wird’s schon mehr Pferdestärken zur Erektion brauchen und sehr viel Métallisée-Irgendwas. Ein Subwoofer plus Tuning wären vermutlich nicht übel. Für Gruppe 1 hingegen ist der Autotyp völlig wurscht – wer alles und das jetzt will, macht es ruhig auch in einem Zweitwagen-Spuckerl. Achtung: Menschen mit Rückenleiden können sich hier rasch gerädert fühlen.

Übrigens: Dass Porsche-Fahrer laut einer Studie nur schnellen Sex wollen, ist ein Liegesitz-Gerücht. Oder auch nicht.