Sex in der Freizeit
12/19/2015

Die Gewissensfrage Nr. 2

Ein kleiner Penis, schlechte Performance – und das bereits zum Auftakt einer aufblühenden Beziehung. Eine Frau fragt: Was tun? Schweigen und hoffen? Mit der Tür ins Haus fallen? Lachen? Weinen? Davonrennen? Oder doch lieber reden? Das wird in Folge 2 der neuen Reihe „Gewissensfragen“ beantwortet.

von Gabriele Kuhn

Andrea B. fragt: „Soll eine Frau am Anfang einer Beziehung die (zu kleine) Größe und (zu geringe) Performance seines besten Stücks ansprechen?“ Dazu schildert sie: „Eine Freundin, 50 Jahre alt, lernt einen supernetten Mann kennen, mit dem sie eine harmonische Beziehung beginnt. Der Haken dabei: Sein Schniedel ist von der kleinen Version, auch die Potenz ist nicht wirklich herausragend. Darf man dies offen ansprechen – und wenn ja: wie?“

Sehr interessante Frage. Da ist er also, dieser Typ – mit dem man bestens wandern, blödeln und über jüngste Theaterpremieren plauschen kann. Sie geht gerne gut essen, welch Zufall – er auch. Sie steht auf die Stones, welch Zufall – er auch. Alles geschmeidig. Und dennoch „kauft“ sie die Katze mit Sack (in dem Fall, pardon, kleinem Sack). Man weiß also anfangs nie so genau, was ein Herr in der Hose hat. Vor allem: Was er mit dem „Was“ dann konkret anstellen kann. Und dann – die erste gemeinsame Beischlaf-Nacht – hm, leider insgesamt nicht so aufregend. Man gibt sich hoffnungsfroh: Das kann ja vielleicht noch kommen. Nacht Nr. 2: Alles wie gehabt. Nix kommt. Alles sehr klein, aber nicht fein. So geht das weiter.

Klare Sache: Irgendwann muss darüber gesprochen werden. Weil die rosarote „Wir-finden-einander-so-super-Färbung“ irgendwann einmal verblasst und der Mangel, die Fehler in den Vordergrund treten. Irgendwann nervt schlechter Sex – und dann vergeht einem auch sonst das Lachen. Nun muss man natürlich nicht plump werden – etwa bei Beischlaf Nr. 44 mit einem bösartigen „Na, wo is er denn, der Gartenzwerg?“ rausrücken. Weil die Penis-Größe per se gar nicht das Thema ist, sondern die erotische Gesamtperfomance eines Menschen. Ein Mann hat ja auch noch Hände und Finger. Er hat einen Mund. Beide Werkzeuge lassen sich wunderbar einsetzen – vorausgesetzt, er beherrscht diese Klaviatur der Verzückung. Das lässt sich lernen – aber eben nur, wenn darüber geredet wird. Befriedigung nonverbal an den Partner zu delegieren, geht gar nicht. Deshalb ist es wichtig, dass eine Frau im Rahmen eines offenen Gesprächs behutsam darüber plauscht, was und wie sie es gerne hätte.

Je eher desto besser, je charmanter, desto wirksamer. So ein gemeinsamer Lernprozess hat durchaus eine erotische Komponente – im besten Fall vice versa. Denn auch er hat möglicherweise Wünsche und Sehnsüchte – wie er berührt und genommen werden möchte, was sie tragen und sagen soll. Womit wir bei Aspekt Nummer 2 wären – seinen Potenzproblemen.

Dazu zwei wichtige Gedanken:
1. Eine falsche Bemerkung („Ein Marshmallow ist härter als deiner“) kann alles zunichte machen und seine Manneskraft für immer vernichten. Heißt: Gehen Sie bitte sehr behutsam und empathisch vor.
2. Die sogenannte erektile Dysfunktion kann die Folge bzw. der Vorbote einer Grunderkrankung sein – etwa Durchblutungsstörungen im Rahmen einer Herzkreislaufproblematik oder einer beginnenden Diabetes.
Heißt: Der Gang zum Mediziner seines Vertrauens wäre angesagt. Ansonsten gilt: Damit die Lady genießt, muss sie nicht schweigen.

Haben auch Sie eine Gewissensfrage? Bitte an: gabriele.kuhn@kurier.at

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