Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
20.04.2012

Bewegungsdrang

sex IN DER FREIZEIT: 19 Mal pro Tag © Bild: KURIER/Boroviczeny

Sex in der Freizeit: Sport ist bekanntlich gesund – und manchmal auch mehr als das. Es gibt nämlich Frauen, die fühlen sich durch sportliche Betätigung genital animiert – und manchmal auch mehr als das.

Es wurde ja an dieser Stelle schon erwähnt – aber die knisternde Studie zum Thema „Sport und weiblicher Orgasmus“ verdient einen zweiten Blick. Zur Orientierung: Im Magazin „Sexual Relationship Therapy“ wurde von einer anonymen Online-Umfrage berichtet, in deren Rahmen 370 Frauen über die stimulierende Wirkung diverser Sportarten sprachen. Man höre und stöhne: 124 Frauen gaben an, mindestens einmal einen Höhepunkt beim Bewegen erlebt zu haben – ohne sexuelle Fantasie. 246 sprachen zumindest von angenehmer Erregung. Entertainer Harald Schmidt kommentierte die Erkenntnisse so: „Orgasmus im Sport? Das weiß doch jeder Skilehrer.“ Abgesehen davon, dass ich mir vorgenommen habe, rasch mehr Sport zu treiben (schönes Wort im Kontext), muss ich sofort an den Ex-Tennisstar Monica Seles denken. Die stand einst auf dem Platz und stöhnte bei jedem Schlag so laut, dass der Center Court vibrierte. Es hieß, das sei Taktik. Da bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher. Wer von den p.t. Leserinnen im Geiste bereits die Trainingstasche zücken möchte, um an die Schläger, Hanteln oder Brustcurls zu hecheln, sollte erst wissen, welche Bewegungsformen Schweiß- und Geschlechtsdrüsen anregen. Nun, etwas mehr als die Hälfte der Frauen gab an, beim Bauchmuskeltraining gekommen zu sein – z. B. bei Sit-ups. Gewichte stemmen, Pilates, Yoga, Aerobic, Reiten und Laufen wurden ebenso genannt. Und Tennis. Interessant: So prickelnd das genitale Animationsprogramm auch erlebt wurde, so sehr genierten sich die Damen für das Amüsement. Klar, es gibt Dramatischeres, aber verständlich ist das schon. Es kommt vermutlich auf die Trainingssituation an. Wer beim Sit-up-Solo im heimischen Fitnesskeller geil wird, kann’s locker nehmen, wie’s kommt. Und vielleicht noch eine Runde Reiten mit dem feschen Nachbarn nachlegen. Anders wohl beim Sonnengruß in der Hormonyoga-Gruppe, wo die Damen erst Kräutertee schlürfen, dann über Bärlauchrezepte plauschen und schließlich ans Werk gehen. Da kommt das Kommen einen Hauch weniger gelegen. Anders beim Reiten, finde ich. Tier und Gier gesellen sich gern – und dem Pferd ist relativ wurscht, ob seine Reiterin im Sattel feucht wird.

Nun bleibt noch die Frage nach den Ursachen für den kleinen Lustsprung. Die sind (leider) unbekannt – es wird vermutet, dass die Anspannung von Bauch- und Beckenmuskulatur einen inneren Druck auf die Klitoris ausübe. Auch schnelles Atmen wird als möglicher Freudenspender identifiziert.Vielleicht ist es schlicht typabhängig – eine Frage von Form und Bewegung der Beckenlandschaft.Dazu wurde ich im neuen Buch des Sexualwissenschaftlers Karl F. Stifter („Tiefe Lust. Vaginale Kraft und sexuelle Erfüllung“) im Kapitel „Körpermerkmale und Vorhersagbarkeit des Orgasmus“ fündig. Er berichtet von Forschern, die einen Zusammenhang von Gang, Auslenkbewegung des Gesäßes und vaginaler Orgasmusfähigkeit herstellen konnten. Je freier fließend die Bewegung, je „göttlicher“, sexuell selbst­bewusster und unverspannter die Gehbewegung, desto orgasmus­freudiger die Dame. In diesem Sinne: Möge die Turnübung gelingen.

gabriele.kuhn(at)kurier.at