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Meinung Kolumnen Sex in der freizeit
05/11/2012

Alle(s) für eine

Sex in der Freizeit:Das Zukunftsinstitut prophezeit einen Sinneswandel in der Causa "Liebe": Ein Partner wird nicht mehr genügen, stattdessen gibt’s Polylove. Man verteilt seine (sexuelle) Zuneigung auf mehrere Menschen und lebt nicht monogam. Und das mit Einverständnis aller Beteiligten.

von Gabriele Kuhn

Multitasking liegt nicht nur beim täglichen Tun im Trend. Es scheint, als würde sich der Drang zur Gleichzeitigkeit nun auch ins Sexualleben der Menschen schummeln. Wobei ich jetzt gar nicht davon rede, dass einer sich – zum Beispiel – einen runterholt, während er parallel Kundenmails beantwortet, ein Jausensemmerl isst und per App den Goldpreis verfolgt.

Es ist komplizierter, weil es ums große Ganze geht – um Lebensentwürfe. Das Zukunftsinstitut verrät nämlich, dass das monogame Beziehungsmodell ausgedient hat. "Polyamorie – ein Partner ist nicht genug", heißt es. Ich erinnere mich, dass ich das vor Jahren geschrieben habe, ohne ein Zukunftsinstitut zu sein. Aber bitte – damals war das vor allem in den USA ein Thema – mittlerweile scheint "Polylove" dort eine Art Massenbewegung zu sein. Zum Verständnis: Bei den Liebhabern der Vielfalt geht es nicht um hemmungslos triebhafte Promiskuität – es wird nicht heimlich belogen und betrogen oder im Rudel gevögelt. Polylove ist eine Form des Arrangements – alle wissen von den anderen. Toleranz, wohin das Auge blickt – alles fließt, alles gut. Im Optimalfall stricken fünf Frauen glücklich an einem Paar Socken für ihre 20 Männer. Oder massieren acht Männerhände 16 müde Frauenrücken. Dabei beplauschen sie aktuelle Steakpreise oder beschäftigen sich still.

Exakt an dieser Stelle fängt mir die Idee sehr, sehr gut zu gefallen an. Ich schließe die Augen und träume vom auf meine individuellen Bedürfnisse abgestimmten Männer-Verein. Alle für eine. Was übrigens auch für die Herren selbst entlastend sein muss: Endlich braucht’s nicht diesen einen Wunderwuzi, der die kapriziösen Bedürfnisse einer Dame abdecken muss. Sondern mehrere Spezialisten, die das tun, worin sie besonders gut sind. Wie viele dürfen es sein? Vier oder fünf, finde ich, braucht es schon, um meine Wünsche abzudecken. Und die sind – auf den ersten Blick – eher praktischer Natur. Auf jeden Fall hätte ich in meinem Testosteron-Portefeuille gerne einen mit grünem Daumen. Ein Prachtkerl von Gärtner – Idealtyp "Naturbursche". Jung, willig, erdig, baumarkterfahren. Auch nicht schlecht wäre einer aus der Kategorie Finanzguru und Big Spender. Der checkt mir alles, was mit Geld zu tun hat und schießt seinem Goldstück – also mir – in Finanzkrisen den einen oder anderen Aktienfonds zu, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Man ist ja nicht käuflich. Unabdingbar in der Riege ist ein Frauenversteher – der Mann, der zuhört, versteht, tröstet, streichelt und meinen aktuellen Seelenzustand per Acrylfarbe zu Papier bringt. Weil "er dazu im letzten Selbsterfahrungsworkshop eine starke Eingebung hatte". Hach. Ich merke schon, mein Mund wird wässrig. Super wäre ein Koch. So einer, der mit dem Prato in der Hand über den Naschmarkt bummelt, weil er mich mit handgestochenen Spargelspitzen an geilen Saucen überraschen möchte.

Das Beste an meinem Traum kommt allerdings zum Schluss: Keiner von denen macht Mist oder Schmutzwäsche. Alle können Hemden bügeln. Jeder der netten Herren will nur dann Sex, wenn ich ihn will. Und ausgeträumt. Denn die Realität sieht vermutlich anders aus: Je mehr Polylove, desto poly die Probleme.

gabriele.kuhn(at)kurier.at

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