Schule: Rechnen mit Mei Ling

Gesichter einer Schule © Bild: Miriam Hoehne

Beim PISA-Test wird an der Lebensrealität vorbeigetestet.

Zu meiner Glosse " Lesetest 2012" wies mich Kollegin Reisinger aus OÖ darauf hin, dass ihr Landeshauptmann seit Jahren fordere, Lesen in den Volksschulen aus "Deutsch" herauszunehmen und einen eigenen Gegenstand daraus zu machen. Sachunterricht, so Reisinger, so Pühringer, sollte es erst geben, wenn das Lesen sitze. Bravo mit ohne Ironie jetzt! Weil nämlich unsere Schülerinnen z. B. bei PISA nicht scheitern, weil sie 6 x 4 nicht schaffen würden, sondern weil sie gar nicht kapieren, dass 6 x 4 zu rechnen wäre.

Dazu kommt natürlich, dass an der Lebensrealität vorbeigetestet wird. PISA-Beispiel: Mei-Ling aus Singapur wollte für 3 Monate als Studentin nach Südafrika gehen. Sie musste Singapur Dollar (SGD) in Südafrikanische Rand (ZAR) wechseln. Mei-Ling fand folgenden Wechselkurs heraus: 1 SGD = 4,2 ZAR. Sie wechselte 3000 Singapur Dollar in Südafrikanische Rand. Während der 3 Monate hat sich der Wechselkurs von 4,2 auf 4,0 ZAR pro SGD geändert. War es beim Zurückwechseln zum Vorteil von Mei-Ling, dass der Wechselkurs nun 4,0 ZAR statt 4,2 ZAR betrug?

Wechselkursschwankungen bei ZAR und SGD. Wer denkt sich so etwas aus? Und wenn du heute im Ausland Geld brauchst, gehst du zum Bankomaten. Aus.

An einer mir gut bekannten Hauptschule werden derzeit für PISA 14 Schülerinnen des Jahrgangs 1996 getestet – durch die Bank Sitzenbleiber, Sonderschüler und Lernschwache mit nicht deutscher Umgangssprache. Kein Zufall, denn andere 96er-Kinder sind in einer Hauptschule altersbedingt gar nicht zu finden. Aber Hauptsache, in den Analysen darf es dann wieder heißen, Schuld an den schlechten PISA-Ergebnissen seien unsere "schlecht ausgebildeten Lehrerinnen" an unseren "schlecht aufgestellten Hauptschulen". Und Hauptsache, an deren Toren steht bald überall "Neue Mittelschule" drauf.

Erstellt am 15.04.2012