über ältere Väter
06/10/2014

Schlechter Tag

von Niki Glattauer

So schnell konnte ich gar nicht schauen, hatte ich eine Gratisnicht-soqualitätszeitung in der Hand.

Niki Glattauer | über ältere Väter

Leider ist es ja nicht so, dass dir die Morgenlektüre auf dem Weg zur Arbeit automatisch den Tag versüßt. Fiel mir unlängst beim Blättern in der U-Bahn-Gratisqualitätszeitung folgender Titel ins gleitsichtbrillenunterstützte Auge: "Studie: Kinder älterer Väter werden als weniger attraktiv eingeschätzt." Da hebt es dich als Vater zweier Kleinkinder, für die du locker auch als Großvater durchgehen würdest (bis vor Kurzem dachte ich ja: na und?, besser als eine Mutter mit Bart :-) gleich einmal zehn Zentimeter aus dem Hartschalensitz. Dafür drückt es dich in selbigen umso schwerer wieder hinein, wenn du dann liest, dass Kinder von älteren Vätern nicht nur "eher an Epilepsie und Schizophrenie leiden, vermehrt zu Fettleibigkeit neigen und im Schnitt weniger intelligent" seien, nein, all dem nicht genug, jetzt habe man im "Department für Anthropologie der Uni Wien" auch noch herausgefunden, "dass sich ein fortgeschrittenes Alter bei Vätern schlecht darauf auswirkt, wie das Aussehen ihrer Söhne und Töchter bewertet wird …" An dieser Stelle stieg ich um. Die Gratisqualitätszeitung nicht. Leider brauche ich auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz in Summe aber vier Öffis. So schnell konnte ich also gar nicht schauen, hatte ich eine Gratisnichtsoqualitätszeitung in der Hand. Hängen blieb ich bei einer Kolumne, in der eine "Wutmutter, 2" unter eben diesem Titel zum Übersprayen der Plakate zum gewesenen Life-Ball (jene mit oben Busen und unten Spatzi) aufrief. Ihr Ansatz, sinngemäß: schweres Verbrechen an unseren Kindern, die solcherart schutzlos den hässlichsten Fratzen des Lebens ausgesetzt seien. O-Ton: "Ein Kind ist ein Kind ist ein Kind ist ein Kind. Und ein Kind hat ein Recht darauf, Kind zu sein. Denn die Kindheit, dieser unbeschwerte Zustand, in der die Welt noch aus Watte zu bestehen scheint, ist viel zu schnell vorbei." Fragst du dich als Vater potenziell hässlicher Kinder, umgeben von spatzi-übersprayenden Wutmüttern natürlich gleich selber, wo sie hin ist, die Watte der Welt. Prompt fiel mein Auge auf eines dieser Wurschtel-Plakate zur gewesenen EU-Wahl. Eindeutig unübersprayt. Text: "Egal statt zur Wahl" oder so. Da wusste ich, aus dem Tagerl wird nix mehr.

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