Rauch

Die wöchentliche Kolumne von Ulla Grünbacher.

Dem Vermieter entstehen wirtschaftliche Nachteile, wenn ein Mieter auszieht, weil er sich belästigt fühlt.

Mag. Ulla Grünbacher | über Raucher

Autos, Rasenmäher, Bohrmaschinen – laute Geräusche umgeben uns jeden Tag. Lärm wird als Störfaktor empfunden und der Stress, der dabei entsteht, kann krankmachen. Der Blutdruck steigt, es kommt zu Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. So viel ist bekannt. Neu ist, dass Lärm auch dick machen kann. Wer in der Nähe eines Flughafens wohnt und ständig dem Fluglärm ausgesetzt ist, läuft einer neuen Studie zufolge Gefahr, Gewicht zuzulegen. Mit dem Anstieg des Lärmpegels um fünf Dezibel steigt der Taillenumfang um rund 1,5 Zentimeter, das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern des schwedischen Karolinska-Instituts. Die Wissenschaftler führen das Ergebnis auf die verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen zurück. Aber nicht nur Lärm von lauten Maschinen verursacht Stress. Auch die ständige Geräuschkulisse, das Klappern von Tasten, das Gespräch und die Telefonate der Kollegen im Großraumbüro wirken sich auf Dauer auf das vegetative Nervensystem aus. Je mehr Platz den Mitarbeitern im Büro eingeräumt wird, desto weniger Auswirkungen hat der Lärm.

40 Jahre hat der Mieter, ein starker Raucher, in seiner Wohnung gelebt. Die Nachbarn fühlten sich durch den Zigarettenrauch belästigt. Das Landesgericht Düsseldorf hat der Klage auf Kündigung des Mietvertrages stattgegeben. Das Urteil ist richtungsweisend. Im öffentlichen Raum wurde das Rauchen schon untersagt, nun wird es auch im privaten Bereich eng. Nun gibt es das erste Raucherurteil in Österreich. Der Mieter raucht Zigarren, am liebsten zum geöffneten Fenster hinaus und mitten in der Nacht. Ein Nachbar fühlt sich durch den Qualm belästigt und klagt gemeinsam mit dem Vermieter auf Unterlassung der Immissionen. Das Wiener Bezirksgericht untersagt dem Mieter, Zigarren bei geöffnetem Fenster zu rauchen. Die Begründung: Dem Vermieter entstehen wirtschaftliche Nachteile, wenn ein Mieter auszieht, weil er sich belästigt fühlt. Schon der Vormieter des klagenden Mieters ist ausgezogen, weil seine Kinder wegen des Qualms mit Atemwegserkrankungen zu kämpfen hatten. Wesentlich für das Urteil war, dass der beklagte Mieter nach eigenen Angaben 40 bis 60 Minuten für eine Zigarre braucht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ulla.gruenbacher@kurier.at

Erstellt am 31.01.2015