Architekturpi­ra­ten

Architekt Daniel Libeskind war geschockt. Der zickzackförmige Grundriss des neuen australischen Nationalmuseums in Canberra hat exakt dieselbe Form von Libeskinds Jüdischem Museum in Berlin. Eine Kopie. Auch die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid musste zur Kenntnis nehmen, dass ihr Komplex in Peking ein zweites Mal in Chongqing Gestalt annahm. Hier gingen die chinesischen Plagiatoren besonders dreist vor: Sie schauten sich nicht nur die Architektur des Gebäudes – drei mit Aluminiumbändern überzogene Türme – ab, sondern das Plagiat könnte sogar vor dem Original fertig sein.

2011 schlugen die Produktpiraten im großen Stil zu: die österreichische Gemeinde Hallstatt mit ihren denkmalgeschützten Häusern wurde eins zu eins in Südchina nachgebaut, trotz Protesten der Hallstätter.

Abkupfern ist in der Architektur weit verbreitet und wird auch meistens toleriert. Sofern es sich nicht um eine plumpe Kopie sondern um Abwandlungen und Weiterentwicklungen des Originals handelt. Zaha Hadid fände interessante Mutationen – so sagte sie es dem Spiegel – sogar „ganz aufregend“.


ulla.gruenbacher(at)kurier.at

(KURIER) Erstellt am
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