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10.03.2018

Salzburg bildet aus, die Austria schaut lieber weg

Warum die Bullen der Konkurrenz enteilt sind.

Ich erwarte nicht, dass Rapid, Austria oder Sturm an Salzburgs Klasse herankommen können.

Paul Scharner | über das Vorbild Marcel Hirscher

Der Sieg von Salzburg in Dortmund hat nicht nur für den Europacup große Bedeutung. Nein, das 2:1 strahlt auch auf die hinterherhinkende Konkurrenz ab: Die Bullen bestätigen damit, dass sie in eine eigene Liga vorgedrungen sind, nur sie können Leistungen auf diesem internationalen Niveau abrufen.

Die Salzburger sind wie der FC Bayern in Deutschland: Sie genießen eine Vormachtstellung. Ich erwarte nicht, dass Rapid, Austria oder Sturm in den nächsten Jahren an diese Klasse über eine ganze Saison gerechnet herankommen können. Das hängt nicht nur von den finanziellen Möglichkeiten ab.

Auch wenn das Rückspiel gegen den BVB noch abzuwarten ist, bleibt jedenfalls die Philosophie bestehen. Salzburg ist als reiner Ausbildungsverein etabliert, in erster Linie für die "RB-Familie". Die Spieler werden für ein klares Ziel mit einer klaren Linie entwickelt. Das internationale Tempo kann mitgegangen werden, der nötige Mut für ein Duell mit Dortmund ist auch da.

Deswegen rechnen sich die Investitionen von Red Bull mittlerweile, und die Meisterschaft kann locker nebenbei gewonnen werden.

Der neue Baumeister

Auf niedrigerem Niveau, aber mit einer ebenso klaren Linie ist die Admira als Ausbildungsverein angesiedelt. Ausgerechnet Ernst Baumeister hat die Admira neben Salzburg zur positiven Überraschung des Frühjahrs gemacht. Wer mein Buch gelesen hat, weiß, dass ich kein großer Fan von Baumeister war. Ich habe mir nun aber einige Trainingseinheiten angesehen und stelle fest: Baumeister hat sich ein Trainerteam zusammengestellt, das die Erfordernisse des modernen Fußballs erfüllt.

Damit kann sich der Ernstl auf das Beobachten, Coaching in Details und das Stimmungmachen konzentrieren. Das passt.

Generell ist der Admira zur klaren Klub-Philosophie zu gratulieren: Immer wieder werden Talente bei den Profis eingebaut und gefördert. Unter Baumeister konnte die Quote zuletzt noch einmal erhöht werden.

Der violette Lifestyle

Natürlich lässt sich einwenden, dass es die jungen Spieler leichter haben, weil der Druck kleiner ist als in Wien. Andererseits erwarte ich von den Großklubs aber auch, dass sie ihren Ansprüchen gerecht werden. Siehe Austria: Die jüngsten Aussagen von Franz Wohlfahrt als sportlich Verantwortlichem passen da nicht dazu. In einer KURIER-Kolumne vor einem Jahr habe ich auf besoffene Kicker vor einem wichtigen Spiel hingewiesen. An den Reaktionen hab’ ich gemerkt, dass sich die Austria ertappt fühlt.

Die Folgen? Erst ein Jahr später wird der "Lifestyle" kritisiert, wieder ohne echte Konsequenzen. Die aktuelle Entwicklung war absehbar.

Im Umgang mit jungen Sportlern zählt vor allem das Commitment: Ist es wirklich spür- und sichtbar, dass die Jungen mit dem Ziel ausgebildet werden, auch in der Kampfmannschaft eine gute Rolle zu spielen? Salzburg hat das perfektioniert, während bei der Austria, naja – siehe aktuelle Situation.