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19.08.2017

Nur bei Red Bull wachsen den Talenten Flügel

Wo, wenn nicht in unserer Bundesliga kann sich das ein Verein trauen?

Paul Scharner | über Einsatzzeiten für junge Talente

Nach diesem Europacup-Abend sieht die Lage für Österreichs Bundesliga vielversprechend aus: Salzburg sowie die Wiener Austria stehen vor dem Einzug in die Europa League, und die trotz Niederlage wieder ordentlich aufgetretenen Altacher haben ohnehin bereits mehr erreicht als zu erwarten war.

Salzburg scheidet zwar Jahr für Jahr in der Quali zur Champions League aus, aber trotzdem ist heuer etwas anders: Es gibt keinen Hänger in der Liga, der Tiefschlag gegen Rijeka wurde rasch verarbeitet. Deswegen ist Salzburg nicht nur der logische Titelfavorit, sondern auch ohne längere Anlaufzeit mit dem neuen Trainer Marco Rose das Maß aller Dinge in der Liga.

Mir gefällt der Weg von Red Bull, weil tatsächlich mehr und mehr Talente ihre Chance bekommen. Wo, wenn nicht in unserer Bundesliga kann sich das ein Verein trauen und umsetzen?

Schwieriges Umfeld

Natürlich spielen auch bei den anderen Klubs mehr Junge als früher. So kann am ehesten Gewinn über Transfers lukriert werden. Ein wesentlicher Unterschied bleibt aber das professionelle Umfeld: Bei all dem, was gerade bei Rapid los ist, fällt es einem unerfahrenen Spieler schwer, das volle Potenzial auszuschöpfen.

Bei der Austria ist es zwar etwas ruhiger geworden, dafür fällt mir aber eine Tendenz zum Schönreden auf. Immerhin wurde der sportliche Turnaround geschafft. Somit bildet sich für mich Sturm als erster Herausforderer von Salzburg heraus. Da ich wie eingangs erwähnt mit zwei Klubs in der Gruppenphase rechne, werden die Grazer ohne europäische Anstrengungen Vorteile haben. Außerdem gibt es mit Franco Foda einen erfahrenen Trainer, dessen Team tadellos verstärkt wurde.

Ein Europacup-Aspirant ist für mich auch der LASK. Bei den Linzern zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, die Euphorie des Aufstiegs mitzunehmen. St. Pölten ist das 2016 nicht gelungen, es folgte der Abstiegskampf. Die Linzer sind durch die Verbindung zur Spieleragentur „Stars + Friends“ auch noch gut abgesichert.

Höhere Belastung

Ein Thema, das für alle Bundesligisten außer Salzburg noch mehr in den Fokus rücken sollte, sind die Anforderungen im internationalen Fußball. Nach all meinen Erfahrungen kann ich eines sagen: Lediglich bei Red Bull werden Talente so ausgebildet, dass sie nicht nur für Österreich fit sind, sondern für eine internationale Karriere.

Besonders in der Athletik und in der täglichen Intensität der Belastung höre ich immer wieder, dass es nach den Transfers in Top-Ligen zu Problemen für „unsere Burschen“ kommt.

Langfristig zeigt sich, dass Investitionen in die Ausbildung, Betreuung und medizinische Versorgung von Talenten Gewinn bringt. Die Betreuer in den Klubs müssen sich aber auch täglich fragen: Ist das wirklich genug, was wir fordern? Oder geht da noch mehr?

paul.scharner@kurier.at