Paul Scharner

© KURIER/Jeff Mangione

über die Einstellung vieler Profis zu ihrem Beruf
03/06/2017

Scharner: Fußballer sind schuld an ihrem Ruf

Paul Scharner über die Einstellung vieler Profis zu ihrem Beruf.

von Paul Scharner

Konfrontiert sie alle paar Monate mit der Realität des Lebens.

Paul Scharner | über die Einstellung vieler Profis zu ihrem Beruf

Als ich nach meiner Karriere und neun Jahren im Ausland zurückgekommen bin, war ich verwundert: Warum haben die Fußballer in Österreich immer noch so einen schlechten Ruf? Früher ist nicht immer alles professionell abgelaufen. Diese Zeiten sind doch vorbei.

Oder doch nicht? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Mittlerweile weiß ich es: Der Ruf ist – leider – selbstverschuldet.

Ich habe viele Gespräche mit Spielern und Insidern der Fußball-Szene geführt. Ein Vorfall hat mich so erschreckt, dass ich einen grundsätzlichen Vorschlag einbringen will.

Ein prominenter Bundesliga-Verein hatte im vergangenen Herbst zwei besonders wichtige Partien zu bestreiten. Zwei Spieler fehlten in der Vorbereitung unentschuldigt. Sie waren schlichtweg zu betrunken, um am Training teilzunehmen. Die Konsequenz: eine sehr niedrige – in Anbetracht der Gehälter sogar lächerliche – Geldstrafe.

Es ist also immer noch so, dass einige Profi-Kicker unter einer sehr subjektiven Wahrnehmung leiden. Okay, der öffentliche Druck ist groß und die öffentliche Kritik kann sehr hart sein. Aber das ist Jammern auf allerhöchstem Niveau. Vielmehr sollten sie öfters mit dem "echten Leben" konfrontiert werden.

Ich habe es selbst erlebt: Wie viel Zeit und Aufwand ist nötig, um mit dem Fußball ein gutes Leben führen zu können? Wie viel müssen Menschen arbeiten, die etwa in der Altenpflege tätig sind, um einigermaßen zu überleben? Selbst für exzessive Trainierer wie ich einer war, fällt der Vergleich ungünstig aus: Die Pflegerin kommt härter dran.

Die Mängelliste in Österreich umfasst das Training, den Lebensstil und die Einstellung zum Beruf. Eigentlich müsste doch jeder Kicker glücklich sein, dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte. Tatsächlich üben aber immer noch viele ihr Hobby wie ein Hobby aus – und nicht wie einen Beruf.

Vermutlich denken sie sich: Es reicht auch so. Ja eh, die erwähnten Spieler verdienen gutes Geld und halten in der Bundesliga mit. Zum einen wundert mich das, ich hätte nicht gedacht, dass sich das noch ausgeht. Zum anderen macht es mich traurig. Denn sie könnten offensichtlich noch viel besser sein. Später, nach diesen zehn bis 15 Jahren Karriere, werden sie sich in den A... beißen. Weil sie draufkommen, was sie damals an Chancen verspielt haben.

Deswegen lautet mein Vorschlag an Österreichs Vereine: Nehmt eure Spieler, fahrt mit ihnen dorthin, wo hart gearbeitet wird. Zum Beispiel in ein Altersheim. Und konfrontiert sie alle paar Monate mit der Realität des Lebens.

Vielleicht entwickeln sie dann wieder jene Leidenschaft, die für 100 Prozent Professionalität nötig ist.

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