Die schwindende Integrationskraft der ÖVP in Tirol

Bei der Landtagswahl am 28. April könnte die ÖVP erstmals nur mehr einen Dreier vor dem Ergebnis haben.

Bei der Landtagswahl könnte die ÖVP erstmals nur mehr einen Dreier vor dem Ergebnis haben.

Dr. Daniela Kittner | über die Tirol-Wahl

Für Außenstehende ist das Wirrwarr von Parteien in Tirol schwer zu durchschauen. In der Regel handelt es sich bei den relevanten Neugründungen um bürgerliche Abspaltungen. Sie sind ein Zeichen für die schwindende Integrationskraft der ÖVP. Tirol ist ein bürgerliches Land geblieben, aber die ÖVP hat ihre „prädominante Rolle“, wie der Politologe Ferdinand Karlhofer sagt, verloren.

Bei der Landtagswahl am 28. April könnte die ÖVP erstmals nur mehr einen Dreier vor dem Ergebnis haben. „Es könnte sogar passieren, dass in Tirol erstmals drei Parteien nötig werden, um eine Landesregierung zu bilden“, sagt Karlhofer.

Insofern ist Tirol nicht anders als Graz (wo es eine Dreier-Koalition aus ÖVP, SPÖ und FPÖ gibt) oder viele andere Gebietskörperschaften, wo die traditionellen Lager zerfallen. Das Besondere an Tirol ist, dass die Zersplitterung innerhalb des bürgerlichen Lagers stattfindet. Wendelin Weingartner war der letzte ÖVP-Landeshauptmann, der sich bemühte, die ÖVP zu öffnen und einen „liberalen Kurs“ zu fahren, sagt Karlhofer. „Nach ihm hat die ÖVP wieder zugemacht.“

Ein Ergebnis: Anna Hosp, die aus dem Herzen der ÖVP kommt und 2008 die Alternative zu Günther Platter als Landesobfrau war, tritt jetzt mit der neuen Liste „Vorwärts Tirol“ an. Sie hat sich mit Hans Lindenberger, einem Ex-Landesrat der SPÖ, zusammen getan. Unterstützt wird „Vorwärts Tirol“ von der bürgerlichen Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer. Viele Schwarze sympathisieren mit der neuen Liste. Ihr Motiv: Die ÖVP lasse Ideen und Visionen vermissen und engagierte Frauen nicht zum Zug kommen. Auch die Ex-ÖVP-Frauenchefin Gretl Patscheider dürfte bei „Vorwärts Tirol“ kandidieren. „Diese Liste ist sicher die schärfste Konkurrenz für die ÖVP, auch wenn ich ihr nicht auf Anhieb ein zweistelliges Ergebnis zutraue“, sagt Karlhofer. Aber sie kann die ÖVP so viele Prozente kosten, dass dort nach der Wahl – wie 2008 von Van Staa zu Platter – ein Obmann-Wechsel stattfindet.

Als weitere bürgerliche Liste wird Fritz Gurgiser vom Transitforum kandidieren.

Das Team Stronach gibt laut Robert Lugar nächste Woche bekannt, ob es in Tirol antritt.

Mit dem Zerfall der Liste Dinkhauser liegen nun 18 % der Stimmen brach. Eine Partei dürfte wenig davon haben: die SPÖ. Sie geht in dem Konkurrenzkampf zwischen der ÖVP und deren bürgerlichen Kritikern regelmäßig unter.

Erstellt am 24.01.2013