Sein Plan, ihr Werk

© Bild: Jeff Mangione

Er wollte jene Homepage, die sie am Ende gebaut hat – Konflikt inklusive.

Der Konjunktiv ist nicht zufällig männlich.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

SIE

Manchmal denke ich so vor mich hin und dann kommt mitunter Blödsinn heraus. Beispiel: Unlängst sinnierte ich, welche Speise ich wäre, wäre ich eine Speise. Ich dachte an Buchteln mit Vanillesauce. Die liebe ich – so wie mich. Oder, Sie werden lachen: Grießkoch. Das ist super. Vor allem bekömmlich. Auch hier gibt es Ähnlichkeiten zu mir. Subjektiv betrachtet bin ich die Toleranz in Person. Total entspannt, also gut verdaulich. Easy cheesy, würde ein junger Mensch sagen. Aber es kommt – wie so oft – auf die Umstände an. Es gibt ein paar Dinge, die ich wirklich, wirklich verabscheue, da werde ich nervös bis gereizt: Beuschlessen odert Spinnen gehören da dazu. Doch folgender Satz vom Mann nebenan löst in mir den "Kobra, übernehmen Sie"-Modus aus: Schatzi, an deiner Stelle würde ich ...

An deiner Stelle würde ich bedeutet, dass ich aktiv bin, und er nicht. Der Konjunktiv ist nicht zufällig männlich. Denn zuvor hat sich garantiert eine Szene aus seinem Moch i glei-Repertoire ereignet. Das habe ich so satt, dass ich selbst zur Tat schreite. Was tut er? Er schaut mir über die Schultern und zieht die Du, an deiner Stelle würd’ ich-Nummer ab. Unlängst wieder: Ich tat, was er monatelang nicht tat, obwohl er monatelang Moch i glei gesagt hatte: für diese Kolumne eine simple Homepage basteln. Kaum hatte ich am Laptop mit den ersten Entwürfen herumexperimentiert, spürte ich seinen Atem und eine Unzahl von Ratschlägen im Nacken. Um mit der Speisenmetapher zu arbeiten: Ich wurde zu Pudding, erstarrte, sagte nichts und tat so, als wäre er nicht da. Das Ergebnis kann sich deshalb auch sehen lassen (www.paaradox.at).

Am 3. 3. um 19 Uhr präsentieren wir mit einer Lesung bei Thalia, 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a unser neues Buch "Du machst mich wahnsinnig".

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ER

Selbstverständlich werde ich jetzt in meiner Rolle als alter, weiser Konflikt-Fuchs nicht den Fehlerbegehen und alles das, was meine Webdesign-Königin nach ihrer selbst inszenierten Krönungszeremonie doktrinartig verfasst hat, zur Gänze abstreiten. Als kluger Mann weiß ich, dass Teilgeständnisse im Sinne der Glaubwürdigkeit nicht schaden können. Also: Ja, es stimmt, dass ich den Plan, eine eigene Site zu basteln, nicht in der Sekunde des geäußerten Gedankens umgesetzt habe. Ja, es ist richtig, dass von der Ankündigung der Tat über die Ankündigung der Tat bis zur Ankündigung der Tat das eine oder andere Wocherl verstrichen ist. Ja, und ich bestätige hiermit, dass es in solchen Fällen für immer undenkbar sein wird, aus meinem Geduldsfaden und ihrem ein Band der Liebe zu knüpfen – da ihrer schon bei der geringsten Belastung reißt. Weil, Kuhn’sches Lebensmotto: Gut Ding braucht Eile.

Huldigungen

Folglich hat sie unaufgefordert die Initiative an sich gerissen und sich in einer Schaffenswelt verloren, in der für ihren Hofnarren kein Platz war. Lieber frönte sie körpersprachlich dem Brauch-dich-nicht-kann-ich-eh-alleine-Prinzip. Wohl auch, um am Ende Hoch-Rufe abzustauben. Gegönnt. Aber!! Dass ich mich ständig eingemischt hätte, ist eine üble Nachrede. Im Gegenteil, ich war froh, mir im Erledigungsstress einmal ein Päuschen genehmigen zu können. Als jedoch die Königin ihr Werk vollendet hatte, rief sie nach mir, um Huldigungen zu empfangen. Die ich intuitiv über meine Lippen perlen ließ. Von "famos" bis "formidabel" war alles dabei. Und erst als Abrundung wollte ich sie mit einem winzigen kreativen Input entzücken. Doch weiter als "Ich an deiner Stelle würde ..." kam ich nicht. Da bebte schon der Thron. Nun denn, die Seite ist auch so sehr fein geworden.

michael.hufnagl Twitter: @MHufnagl, www.michael-hufnagl.com

Erstellt am 01.03.2015