Meinung | Kolumnen | Paaradox
07.05.2017

Zeit für ein Dankeschön

Weil doch gerade Mai ist, scheinen liebevolle Worte angebracht.

Lob mich endlich mal...!

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

„Und? Hat er die Gartendusche schon rausgeräumt?“ Mails mit diesem Text bekomme ich derzeit viele – die Leserinnen und Leser fiebern in der „Lex Dusche“ schon richtig mit. Dabei geht es um die brennende Frage, ob ich die aktuellen April- und Mai-Hundstage noch ohne Abkühlung im Garten überstehen muss, oder ob der Herr des Hauses bereits für eine Auferstehung des Sommerutensils gesorgt hat. Nun, nachdem jetzt nicht nur der Mann nebenan prokrastiniert, sondern auch der Frühling, liegt das Duscherl nach wie vor im Winterschlaf. Stattdessen klebt seit Tagen eine Karte auf der Häusltür – mit folgendem Spruch von Marie Curie: Man merkt nie, was schon getan wurde; man sieht immer nur das, was noch zu tun bleibt. Des Mannes nebenan sehr spezielle Art, um mir mitzuteilen: Lob mich endlich mal!

Alles high macht der Mai

Ich habe verstanden. Und weil der Mai eh romantisch ist und high macht, sage ich jetzt einmal: Danke! Danke dafür, dass ich entspannt nachtblind sein darf – weil du mich nüchtern und sicher nach Hause fährst, während die anderen Bsuffs a.) noch ein Flascherl ordern und b.) zu ihren Begleiterinnen sagen: Schatze, du fahrst heut’! Danke dafür, dass du fünf Mal hintereinander in den Keller gehst, nur weil ich Spinnenphobikerin den Verdacht habe, unsere Hausspinne hätte Hausspinnenkinder bekommen, die auf mir Fangerln spielen wollen. Danke dafür, dass du meine Grünzeug-Fantasien erst mit Aber bitte ohne mich! kommentierst, um mich dann mit einem windschiefen Hochbeet „made sehr stolz by Hufi“ zu überraschen. Und danke dafür, dass es mit dir auch lustig ist, wenn der Himmel weint.

Nächste Paaradox-Auftritte: 13. 5. Wien (Rabenhoftheater), 23. 7. Wien (Summerstage), 17. 8. Linz (Rosengarten)

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Er

Unlängst stellte mir die Liebste eine dieser Fragen, die mich schlagartig in das Reich des Tölpeltums katapultieren, da ich in meinen Gehirnwindungen kein adäquates Platzerl für sie finde und deshalb keinen Zugriff auf einen Geistreiche-Antworten-Speicher habe. Sie sprach: „Was hältst du von einem Hochbeet?“ Ich wartete einen Augenblick und sagte dann: „Hm.“ Eine, wie ich fand, durchaus gelungene Replik . Denn ebenso hätte meine Frau darüber Auskunft begehren können, was ich von einer Kletterspindel, einer Trichterwinde oder sogar einer gewimperten Aloe halte. Also von drei Pflanzen, die allenfalls auch als Gimmicks im Erotikfachhandel auftauchen könnten. Am Ende aber zimmerte ich gnä Kuhn so ein Hochdings und erfreute mich an ihrer strahlenden Begeisterung.

Wohlgefühl

Mehr noch. Ich entwickelte eine Art Dankbarkeit für ihre Art der Dankbarkeit. Die auch nach vielen gemeinsamen Jahren noch immer von einer so lustvollen Fröhlichkeit ist, dass ich ihr am liebsten jeden Tag ein neues Kräuterparadies basteln würde. Und es tut gut, diese Wohlgefühl auch zu benennen. Also: Ich danke dir, mit welcher Geduld und Lösungskompetenz du meiner Alltagskonfusion begegnest, mit welcher Kreativität und Überzeugung du den Glauben an mich und uns lebst, mit welcher Ruhe und Verlässlichkeit du bei der elterlichen Verarbeitung von Teenager-Tollheiten auch noch einen Plan C, D oder E entwickelst. Ich finde, für all das und noch viel mehr gebührt dir der Silberne Teufelskrückstock, das Goldene Löwenohr und ein Platin-Husarenköpfchen. Und solltest du dafür ein Beet brauchen ... ich bin für dich da.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, nächste Termine: 18. 5., 23. 6. Wien (Studio Akzent), 19. 5., 20. 5. Klosterneuburg

michael.hufnagl@ kurier.at

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