© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
03/19/2017

Weg und wieder da!

Auszeiten. Jeder Ausflug geht einmal zu Ende, und keine Veränderung bleibt unbemerkt.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Hast du gesehen, dass ich die Pölster am Sofa schön arrangiert habe, nur für dich?

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

So eine Auszeit bringt sehr viel. Man reanimiert die Sehnsucht nach etwas Selbstverständlichem. Fernab vom Essen (oder vom Mann nebenan) bekommt jede simple Speise oder eben der Lebenspartner einen neuen Stellenwert. In der Fasten-Fantasie mutiert das Stück Brot zur Götterspeise, er zum Göttergatten, der Alltag zur Orgie. Da sitzt man, umringt von Hirse, Gemüse und Kräutertees und fantasiert sich das Kantinenessen rosarot. Was gäbe ich für so ein Schinkensemmerl, das seit Stunden in der Vitrine liegt und in Klarsichtfolie vor sich hin schwitzt. Was gäbe ich für einen Mann, der sonntags seine Golfschläger auf den Esstisch legt, um sie zu putzen, und vier Tage später sagt: Hm, die wollte ich doch putzen! Was gäbe ich, über die 10 Golfschläger hinweg einen Löffel in einen Topf zu tauchen, in dem jenes von ihm zubereitete Bœuf Stroganoff schwimmt, das ich nicht mag. Was gäbe ich für zehn seiner Schatzi, wo ist ...?

Die Rückkehr

Nix da, stattdessen die selbst gewählte Eremitage, irgendwo im Norden des Landes, wo vermutlich auch der Fluss, der vor den Fenstern des Hotels vorbeifließt, aus Fastensuppe besteht. Und tägliche Telefonate aus dem Osten des Landes, in denen er flötet, wie wahnsinnig ich ihm abgehe. Und dann kehrt man aus der Eremitage zurück und merkt: Das war nicht gelogen! Vor der Waschmaschine liegt eine gefühlte Tonne ungewaschener Wäsche. Die frischen Krokusse mutierten zu Strohblumen, weil: Ui, die hätt’ ich gießen sollen!? Der Eiskasten läääbt. Doch dann sagt der Mann nebenan: Hast du gesehen, dass ich die Pölster am Sofa schön arrangiert habe, nur für dich? Und plötzlich ist der Rest total wurscht.

Paaradox-Auftritte: 28. 4. im Wiener Rabenhof, 10. 5. in Rothneusiedl (Rothneusiedlerhof)

gabriele.kuhn@kurier.at

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Eh klar, dass ich die Liebste vermisse, wenn sie für zehn Tage unser Nest verlässt. Aber in gleichem Maße gönne ich ihr natürlich von Herzen, wenn sie sich ihren Wunsch nach einem Ausflug in das Reich von Dinkel, Tee &Yogalust erfüllt. Dass sie eine so enorme Freude an ritueller Reduktion hat, erstaunt mich zwar stets aufs Neue. Aber ich muss nicht alles verstehen. Stattdessen gebe ich zu, dass so eine Gelegenheit auf zeitlich begrenzte Alltagsanarchie durchaus speziellen Charme besitzt. Genau genommen war ich einigermaßen verblüfft, wie rasch ich die Erkenntnis völliger Handlungsfreiheit zum Anlass nahm, das Prinzip Rücksichtslosigkeit genussvoll auszuleben.

Zimmerinspektion

Es waren freilich nur Petitessen, die ich mir als Strohwitwer gestattete. Aber ich spürte doch einen fast spitzbübischen Frohsinn, die Tennistasche einfach im Wohnzimmer stehen zu lassen, das Bett nicht zu machen, oder den Selbsttest durchzuführen, ob mir ein Wochenende mit sieben Fußballübertragungen in voller Lautstärke zu blöd werden würde (übrigens: nein). Klar war nur, dass ich vor ihrer Heimkehr unbedingt darauf achten musste, das Domizil wieder in den ehelichen Urzustand zu verwandeln. Dabei erinnerte ich mich lächelnd an die Zimmerinspektionen meiner Bundesheerzeit, als die Vorgesetzten prüften, ob die Unterleiberln bündig gestapelt waren und die Gewehrläufe im Gegenlicht ordnungsgemäß glänzten. Nur deshalb arrangierte ich die unzähligen Sofapolsterln kunst- und liebevoll in Reih' und Glied. Wissend: Katalog-Atmosphäre mag sie. Und so eine Wiedersehensfreude ist bekanntlich ein Gesamtkunstwerk.

Neu, Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, nächster Termin: 6. 4. in der Stadtgalerie Mödling (www.diestadtgalerie.at).

michael.hufnagl@kurier.at

facebook.com/michael.hufnagl.9

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