Paaradox: Was ich an dir mag

Ruderboot
Foto: Illustration: Andrea Kritzmanich

Eine Ehe-Kolumne als Lockmittel für Scheidungsanwälte & Paartherapeuten? Mitnichten – es ist Liebe.

Sie

Die da oben hat fünf. Ich habe nur einen. Den Mann nebenan. Was zur Frage führt: Würde ich mit der über mir – angesichts des Herrn an meiner Seite – tauschen wollen? Von ganzem Herzen: nein, nein, nein. Zeit für Zärtlichkeit und Lobhudelei, finde ich. Zumal ich schon Post von Scheidungsanwälten und möglichen Nachfolgern bekommen habe: "Gnädige Frau, man liest zuweilen, dass die Nutella-Brot-Attitüden und Semmelhol-Gewohnheiten Ihres Gatten nicht konvenieren. Falls Sie an einer Scheidung mit vorteilhafter Vermögensaufteilung interessiert sind – wir helfen gerne." Oder: "Halo Gabi, könten wir sich treffen? Ich glaube, du brauchst einen Libhaber."

Gut finden

Sehr schön. Aber a.) Welches Vermögen? Und b.) Danke, nein. Wenn überhaupt, hätte ich gerne eine Affäre, die halbwegs rechtschreiben kann. Außerdem: Ich liebe noch. Dazu äußerte Herzbube einen guten Gedanken: Warum schreiben wir nicht alle 10, 11 Kolumnen, was wir aneinander gut finden?Ja, eh – also dann: Ich finde an meinem Mann gut, dass er den Geschirrspüler, den ich so schön eingeräumt habe, noch schöner einräumt und dann zwei Stunden lang darüber spricht. So. Jetzt ist es draußen. Das reicht nicht?

Hürde

Also, Herzkönig: Ich finde an dir gut, dass du meinem Leben die Schwere nimmst. Ich sehe Hürden – und während ich mir nächtelang das Hirn zermartere, ob und wie und wann und unter welchen Umständen das Hindernis überwunden werden könnte (vielleicht unten durch?) – springst du, reichst mir die Hand und sagst: Ohne dich hätte ich das nicht geschafft.Dann lächelst du, schmierst dir ein Nutella­brot, löst ein Sudoku und freust dich, wenn Barça gewinnt. Während ich dasitze und zu glauben beginne, ich wäre als Erste gesprungen. Alleine, ohne Hilfe und so elegant wie ein junges Turnierpferd. That’s amore!


 

Er

Die Anteilnahme der Leserschaft ist interessant. Unlängst äußerte ein Herr den Verdacht, die bisher veröffentlichten Geschichten rund um unsere Ehe könnten nur ein Sammelsurium aus den Erlebnissen von Freunden sein, denn: So viel Gegensätzlichkeit und Glück würden einander ausschließen. Und eine Dame trat nach einer Lesung an uns heran, um mit ernster Miene zu fragen: "Liebt ihr einander überhaupt noch?"

Daher, es ist Zeit für Aufklärung. Nun, die meisten Probleme sind in Wahrheit keine. Wir machen sie nur zu welchen, um die vielen kleinen Attitüden in Aha-Erlebnisse zu verwandeln. Weil so viel im Verborgenen liegt, tut Erhöhung mitunter Not. Wir machen aus Streit-Mücken Text-Elefanten, und das, wenn geht, schmunzelnd.

Credo

Es handelt sich daher um ein Gerücht, dass uns der Paartherapeut zu einer Kolumne geraten hat – mit dem Credo: "Wenn Sie dieses Konstrukt, das nur stumpfsinnige Romantiker als Ehe bezeichnen würden, retten wollen, dann schreiben Sie alles auf und hoffen auf ein Wunder."

Nix da, die Frau zu meiner Linken war und ist mein Lotto-Siebener. Und das nicht deshalb, weil sie Soja-Granulat so zubereiten kann, dass ich überzeugt bin, es handle sich um Rindfleisch-Faschiertes.

Kraft

Du bist feminin, nicht zwanghaft feministisch. Klug, aber nicht oberg’scheit. Hast Herz, Lebenslust, stehst gerade. Bist Mutter voller Kraft. Hast Witz, ohne je einen erzählen zu müssen.

Manchmal beobachte ich dich, wenn du schläfst. So wird der Gedankenstrom nicht abgelenkt. Und dann freue ich mich für mich. Klopfe mir auf die Schultern. Summe mir ein Liebeslied (nein, keine Sorge, ich pfeif’ eh nicht). Und gratuliere mir herzlich zu dir.

Ob Soja oder Fleisch – ganz egal, die Gewürze geben dem Leben Geschmack. Und für deren Vielfalt danke ich dem Schicksal und dir.

(kurier / VON Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl) Erstellt am
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