Meinung | Kolumnen | Paaradox
23.04.2017

Wanderkröten & Andenschafe

Hausschuhwerk. Sag’ mir, was du an den Füßen trägst, und ich sage dir, wer du bist.

Ich hingegen hadere mit dem täglichen Flip-Flop-Flop.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Jede Beziehung hat ihre speziellen Krisen-Gipfel, die oft saisonal bedingt sind. Frühling ist’s, da hadern manche mit Pollen oder einem mistigen April, ich hingegen hadere mit dem täglichen Flip-Flop-Flop. Es ist so: Des Liebsten liebstes Frühling- & Sommer-Schuhwerk sind Zehenschlapfen von mittlerweile eher bescheidener Qualität. Wer nur einen kurzen Blick auf die einst freshen Dinger wirft, fragt sich unweigerlich, wie zwei senile Wanderkröten in unser Wohnzimmer gekommen sein könnten.

Dein Ernst, Papa?!

Nicht nur das. Mitunter kann’s passieren, dass der Meister des guten Geschmacks samt weißer (!) Socken in das Schuhwerk seines Vertrauens schlüpft, um die Tochter schnell zu chauffieren – in die Stadt, etwa. Trotz ihres „Dein Ernst, Papa?!“ wird er nicht müde, den Fehltritt leidenschaftlich zu verteidigen: Im Auto ist das doch wurscht! Noch schlimmer ist, dass er diese Schuhe in Kombination mit einem weiteren Paar „Garten-Bock“ (noch so Wanderkröten-Exemplare, etwas heller) bevorzugt irgendwo mitten in mein Leben stellt, sodass ich regelmäßig darüber stolpere und fast einen Bauchfleck mache. Die Wanderkröten-Lauser lauern im Bad, im Wohnzimmer, im Schlafzimmer – wie es ihm gefällt. Daher spielt sich sommers und frühlings fast täglich die unerotische Form eines „Rein-Raus“ ab: Ich sehe die Wanderkröten, nehme sie, gebe sie ins Schuhkastl. Er braucht die Wanderkröten, nimmt sie aus dem Kastl. Zieht sie an, zieht sie aus, stellt sie mir in den Weg. Ich stolpere. Wer jetzt noch behauptet, so eine Ehe sei kein Flip-Flop, dem bringe ich die Latschen vom Mann nebenan höchstpersönlich vorbei.

Nächste Paaradox-Auftritte: 28. 4., 13. 5., im Wiener Rabenhof, 10. 5. im Rothneusiedlerhof

Twitter: @GabrieleKuhn

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Er

Es gibt Besonderheiten des Lebens, die ich nie begreifen werde. Z. B. , dass sich die Tochter zwar aus tiefstem Herzen freut, wenn sie der Familiendodel (Anm.: ich) Samstagabend zur „saucoolen“ Sause pilotiert, sich dabei im selben emotionalen Maß darüber empört, dass er diesen Dienst nicht im Smoking tut. Interessant ist, dass sie sich vor allem für meine Schlapfen geniert, die kein kritischer Teenager-Geist jemals zu Gesicht bekommt. Es hat sich nämlich noch niemand ihrer Stylegang ins Auto gebeugt, um zu checken, in welchem Schuhwerk der Lady-Transport stattgefunden hat. Um dann den Partykracher zum Besten zu geben, dass der Alte von der Hufnagl – „Leute, kein Scheiß“ – mit Schlapfen kuppelt und bremst.

Vernaderung

Aber es ist nun einmal so, dass meine Flip-Flops, die ich ausschließlich für niedere Tätigkeiten (Chauffeur spielen, Mist rausbringen, Koffer aus dem Keller holen) trage, eine wahre Beleidigung für die Augen von Frau und Kind sind. Natürlich nur, wenn sie sich gelegentlich nicht dort befinden, wohin sie die Liebste verräumt hat. Ich hingegen hätte nie erwähnt, wie sehr es mich mitunter rasend macht, wenn gnä Kuhn in Fellhausschuhen durch das Domizil schlurft. Aber nach der Wanderkröten-Vernaderung reicht’s. Zumal es verstörend ist, wie ein völlig normal durchbluteter Mensch wadenhohe Andenschafpatschen tragen kann, obwohl die Expedition nur vom geheizten Badezimmer in die geheizte Küche führt. Während der es offenbar nicht gestattet ist, zur allfälligen Geräuschvermeidung die glühenden Füße zu heben. Ich sag’ aber eh nix. Man muss wissen, wann man den Schlapfen hält.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, nächste Termine: 18. 5., 23. 6. Wien (Studio Akzent), 19. 5., 20. 5. Klosterneuburg

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com