Meinung | Kolumnen | Paaradox
11.02.2018

Unser Ski-Zirkus

© Bild: Jeff Mangione

Materialfragen. Er rüstet sich, und sie rümpft die Nase – ein olympischer Parallelslalom.

Welch altbekanntes Echo: Sonderangebot, bot, bot, reduziert, iert, iert!

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Und erneut fegte ein Blizzard aus der Kategorie Will haben – und zwar sofort über unsere Köpfe hinweg. Während die Therme vor sich hintropfte und der Heizungstechniker sein vertrautes „Da warat i wieder, was hamma jetzt?“ entgegenraunte. Sowie: „Aber gauns ehrlich, des Gerät halt nimmer lang. Sie werden was investieren müssen, wenn’s die Fußerl weiter warm haben wollen.“ Als mir der Kostenvoranschlag für ein neues Gerät akutes Aufstoßen bescherte, irrlichterte der Blick des Mannes von nebenan schon in einer Parallelwelt. Längst war er geistig bei den Brettern, die aktuell seine Welt bedeuteten. Ein neues Paar Ski, Modell „Pistenkönig“, 50 Prozent reduziert. Welch altbekanntes Echo: Sonderangebot, bot, bot, reduziert, iert, iert!

Wenn der Berg ruft

Alle paar Jahre wieder, knapp vor dem Skiurlaub, fordert das der Berg. Einmal ist’s ein schickerer Helm, elm, elm. Dann müssen es schnittigere Skibrillen, illen, illen sein. Was kein Problem wäre, würde er die Vorläufermodelle entsorgen. Doch so kugeln im Keller mittlerweile Skisocken, Skihandschuhe und Helme aus der Ära „Jetschwung“ herum. Das ist es noch nicht. Da wären noch jede Menge Ski, irgendwo im Eck. Latten, gefühlt doppelt so hoch wie der Mann nebenan und so schwer wie drei Langhanteln. Ich glaubte zuletzt sogar über ein Ding namens Fangriemen gestolpert zu sein, vielleicht aber hab ich’s nur geträumt. Und immer, wenn ich frage, ob man das Zeugs nicht entsorgen könnte, meint er nur: Nein, vielleicht wird das wieder modern. Dann denke ich an den Opa, der das immer über seine Schreibmaschinensammlung sagte, obwohl es längst Computer gab.

Lese-Termine: 24. 2. Klosterneuburg, 3. 3. Eisenstadt, 13. 4. Oberwaltersdorf, 19. 4. Rothneusiedlerhof, 8. 5. Perchtoldsdorf

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Um den Text von gnä Kuhn dort einzuordnen, wo er hingehört, nämlich in das Reich der selektiven Zuspitzung, sei folgendes erwähnt: Wenn ich in meiner Eigenschaft als Hobby-Hirscher die Berge attackiere, dann tue ich das von der ersten Minute an mit letzter Konsequenz. Heißt: Ich flitze und schwinge tatsächlich den ganzen Tag lang bei jedem Wetter unermüdlich über die Hänge ... weil i will: SKIFOAN! Dieser Zugang zum Alpinismus ist nicht zu vergleichen mit jenem meiner Frau, bevor sie vor drei Jahren die Bretter für immer in den Keller stellte (bzw. von mir stellen ließ). Die nämlich betrachtete die Skier in erster Linie als Mittel zum Zweck, um Hütten mit Sonnenterrassen anzufahren. Wo sie sich im Kreise der Freundinnen in Decken gehüllt an Holzwände drückte, drei bis acht Liter Tee trank und mir während meiner kurzen WC-Pause zurief: „Und Schatzi, wird das was mit deiner Goldmedaille?“ Ich lächelte damals nur, weil es mir immer noch lieber war, dass sie fröhlich entspannt den Panoramablick genoss. Statt mir im Minutentakt zu erzählen, wie kaahaalt ihre Zehen wären, wie blöd es sei, den Lippenbalsam daheim vergessen zu haben, und wie sehr sie die Umfahrung bevorzugen würde.

Verständnis

Daher ist für mich auch nicht verwunderlich, dass die Liebste in Anbetracht meiner Materialtüftelei auf dem Weg zum Leistungszenit etwa so viele Verständnis aufbringt wie ich für die Anschaffung von Vietnamesischem Koriander als 76. Kräutlein fürs Hochbeet. Dass sie aber ernsthaft ein störendes Übermaß an Ski-Utensilien im Keller beklagt, ist schon von erlesener Absurdität. Als wüsste sie, wo unser Keller ist.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 1. 3. Wien, Studio Akzent, 4. 3. Wien (CasaNova). 7. 3. Graz (Casino).

Termine: paaradox.atfacebook.com/michael.hufnagl.9