© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
06/15/2014

Tauschen X gegen Y

Ein falscher Buchstabe und seine Folgen für Frau und M.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Über den öffentlichen Lapsus der Ehefrau spottet man natürlich nicht.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Aktenzeichen XY gelöst: Nein, ich habe im Biologieunterricht nicht gefehlt. Und nein, ich bin auch nicht Besitzerin eines Hirnschadens. Weshalb ich vergangene Woche von mir behauptet habe, dass ich ein „Wesen mit XY-Chromosomensatz“ wäre: Bitte fragen Sie mich etwas anderes. Ich weiß es nicht. Es ist mir aus den Fingern geronnen, ich habe mich vertippt, verdeppt, vertappt. Ich könnte mich nicht einmal auf die Hitze ausreden, weil es nicht heiß war. Vielleicht habe ich zu wenig Grünen Tee getrunken, zu kühl geduscht, meine Magnesiumtabletten vergessen. Aber: Es ist passiert.

Einmal Froschkönig, bitte

Wobei ich nachgedacht habe: Vielleicht ist „es“ passiert, weil in mir der Wunsch schlummert, einmal mit dem Mann nebenan zu tauschen. Damit meine ich nicht den Schreib-Platz, sondern: in echt. Ich habe schon oft daran gedacht, wie es wäre, Mann zu sein. Der Froschkönig. Der Prinz Eisenherz. James Dean. Oder einfach nur so ein Typ in Jeans und weißem T-Shirt, der im Stehen pinkelt und dabei eine raucht. Ein Freud’scher Vertipper, sozusagen, basierend auf einer akuten Entwicklungsstörung: Denn vielleicht surft ein Teil von mir gerade mitten in einer Anima/Animus-Midlifecrisis herum – und ich bin allgemein verwirrt. Denn insgeheim schaue ich dem da drüben immer wieder neiderfüllt zu – und ein Teil in mir sehnt sich ein bisserl nach dem Y im Chromosom, das die männliche Spezies zwar zur „aussterbenden “ macht (laut wiederkehrenden Medienberichten), aber Dinge (es gilt die Unschuldsvermutung) tun lässt, die ich auch gerne mal ungehemmt und mit Selbstverständnis tun möchte. Beispiele? Gerne: Mich im Schritt kratzen, auf dem Fußballfeld herumschlatzen und jemandem nachpfeifen. So. Und jetzt freue ich mich schon auf die Leserbriefe, in denen was von Männerbashing steht. Es grüßt: XX

Er

Nein. Über den öffentlichen Lapsus der Ehefrau spottet man natürlich nicht. Und man schreibt so einen ersten Satz auch ganz sicher nicht mit einem breiten Grinser im Gesicht. Nein. Nein. Nein. Genugtuung ist da überhaupt nicht angebracht. Denn ein kluger Mann weiß genau, dass ihm ein solcher Verschreiber selbst auch hätte passieren können. IST ER – hahaha – ABER – hehehe – NICHT!!! So, das musste sein.

Rollenwechsel

Nun zum Thema Geschlechtertausch. Der Gedanke daran, für einen absehbaren Zeitraum eine Frau im Allgemeinen und meine Frau im Speziellen zu sein, hat schon einen Reiz und würde manches erklären. So zu sehen wie sie, so zu fühlen, so zu denken. Vor allem: so zu handeln! Dann wären vermutlich auch die vielen Rätsel des Alltags keine mehr.

Banales Beispiel: In einem Fach des Badezimmerregals steht ein Tontöpfchen. In diesem befinden sich alte, benutzte Zahnbürsten, neue, noch eingepackte Zahnbürsten, Nagelscheren, Pinzetten, Fieberthermometer, hier ein Kajalstift, da ein Lippenbalsam … und … mein Rasierer. Es ist nur so: Ich habe diesen Rasierer in unseren vielen gemeinsamen Jahren noch nie, nicht ein einziges Mal, zur Aufbewahrung in dieses Töpfchen gesteckt. Stattdessen lege ich ihn immer an eine bestimmte Stelle des Regals. An den Rand, wo er garantiert nicht stört. Und doch muss es diese sagenhafte, vollautomatische XX-Kraft geben, die dafür sorgt, dass der Rasierer wieder und wieder den Weg ins Töpfchen nehmen muss. Noch niemals haben wir dieses sonderbare Wechselspiel voreinander erwähnt.

Bis zur heutigen Kolumne. Könnte ich mich also nur für Sekunden in die Geisteswelt von Madame Kuhn versetzen, dann würde ich vielleicht endlich begreifen, dass … ja, ... verdammt noch einmal, WAS?

Twitter:@MHufnagl

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