Meinung | Kolumnen | Paaradox
01.10.2017

Spiel ist etwas Heiteres ...

... oder auch nicht. Wenn die Urlaubsidylle durch einen Siegeswillen gefährdet wird.

Dem Buben fehlte, oi, jemand zum Spielen.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Es plätscherte. Das Meer, das Pool-Wasser, der Wein im Magen. Und – wie erstaunlich – unser Pas de deux unter griechischer Sonne. Fast peinlich, diese Harmonie: Der Mann nebenan jammerte nicht, wenn ich ihn bat, mich mit dem zähen 50er-Faktor einzuschmieren. Wo an dieser Stelle stets "Bäh, grauslich!"-Rufe folgen. Er grummelte nicht, als ich ihn zum Strandspaziergang zerrte , sondern trabte mit. Wo er doch sonst null Verständnis für meine "Ist diese Muschel nicht von berührender Schönheit?"-Rufe hat, und Bummeln am Beach für ihn in die Kategorie „eh, aber fad“ gehört.

Wer spielt mit ihm?

Wenn schon Beach, dann mit Volleyball, das aber mangels adäquater Gegner (größer, stärker als er, aber sonst Volldolme – daher sein „Ich g’winn Euch das!“) ausfällt. Womit wir beim einzigen Konfliktpotenzial unserer Auszeit wären: Dem Buben fehlte, oi, jemand zum Spielen. Er hätte zur Auslastung dringend einen Gegner gebraucht, dem er zeigen kann, dass er stärker, klüger, fetziger ist. Aber sowohl Frau als auch Tochter mangelt es an Wettkampf-Genen. Was an jenem Abend zum Ausdruck kam, als mein Vorstadt-Siegfried (griechisch: Mega-Michalis bzw. Tollodopolus) mit uns ein Spiel spielte, das er vor Ort erstanden hatte. Es funktioniert nach dem Prinzip des „Stiche-Ansagens“, Name: „Match-Master“ (sic!). Tollodopolus gewann, eh klar, Runde 1, das Unvermeidliche folgte. Er kommentierte sich und seine Tollodopolus’schen Superkräfte mit den Worten "Das hab ich wieder einmal clever g’spielt". Ich knallte die Wut-Karte auf den Tisch, ab dann regierte das Prinzip: „Nur keine Wellen“. Und es plätscherte weiter.

Nächste Lesungen: 5. 10. Bruno/ Brunn, 14. 10. Danubium Tulln, 24. 10. und 9. 11. Rabenhoftheater, Wien

Lesekabarett wieder im Herbst, alle Termine: www.paaradox.at

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Er

Wieder einmal habe ich mein Urlaubsdasein in den Dienst der Familien-Harmonie gestellt. Das heißt, ich habe z. B. in spätsommerlicher Selbstlosigkeit darauf verzichtet, mit dem Leihauto griechische Stadien abzuklappern. Stattdessen unternahm ich sicher mindestens zehn Sonnenuntergangsspaziergänge am Strand und betrachtete mindestens hundert Sonnenuntergangsspaziergangfotos in ekstatischer Ehrfurcht. Ich war im Meer baden, wenn die Liebste meinte, das sei als gemeinsames Abenteuer jetzt und sofort viel toller als meine Buchlektüre in der Hängematte. Ich bummelte, joggte, sammelte Muscheln, wenn ihr der Sinn danach stand, aß Vormittagsmelonen, trank Nachmittagscocktails und begleitete unter liebevollen Aufmunterungsrufen („Schatzi, bitte pass’ auf Dein G’nack auf!“) die Teenager-Tochter in den Aqua-Park, wo ich als Michalis wagemutidis durch Wasserröhren flitzte.

Siegerstraße

Daher war das Kartenspielen auch nicht mein Bestreben. Im Gegenteil. Da ich aus Erfahrung weiß, dass mein Credo "Wer spielt, wurscht was, will gewinnen, wurscht wie“ von den Mitspielerinnen eher nicht geteilt wird. Und so geschah, was meistens geschieht: Ich bog früh auf die Siegerstraße ein und wies das eine oder andere Mal spitzbübisch darauf hin. Und am Ende stellte ich lediglich die Frage, weshalb die Damen die Kunst guten Verlierens so gar nicht beherrschen würden, obwohl sie so oft Gelegenheit hatten, sie zu üben. An ihren Mienen erkannte ich jedoch: Ups, Urlaubsfriede gefährdet. Und rief laut: „Da schaut’s hin, ist das ein Sonnenuntergang!“

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, Herbst-Termine: 6. 10. Großrußbach, 17. 10. Graz, 23. 10. Rothneusiedl, 4. 11. Kottingbrunn, 8. 11. Mödling, 17. 11. St. Pölten.

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