Kolumnen | Paaradox
03.06.2017

Sehr sonderbar!

Streitkultur. Die Themen der Dispute mögen sich ändern, die Wortmuster bleiben gleich.

Sie

Ich muss mich jetzt entspannen. Das ist ein Satz, den mir der Mann nebenan gerne atemlos serviert, wenn er das Gefühl hat, ich könnte ihn um einen sogenannten Gefallen bitten. Dann setzt er diese Hach, mein Leben ist eine einzige Last-Mimik auf, seufzt und tut auch sonst alles, um mir das Gefühl zu geben: Der Gute braucht einen Aufenthalt im Sanatorium für überlastete Ehepartner. Nicht irgendein Sanatorium , es müsste schon mit Golfplatz und Top-Küche sein. Man sagt dazu auch Rotweinkur in bester Green-Lage.

Komische Geräusche

Doch leider: Nur ein Sofa, auf dem der Ermattete sein Haupt betten kann. Doch kaum verlasse ich den Raum, um Dinge alleine (mit Betonung auf: alleine) zu erledigen, höre ich ein Rascheln und Flüstern. Ich frage mich, ob er jetzt mit Pilates versucht, in Balance zu kommen. Doch der Blick ins Wohnzimmer offenbart eine seltsame Szene: Der Mann nebenan hält einen (geschlossenen) Schirm in Händen und übt damit – Golfschläge. Dabei starrt er auf das Werk Schlag! zu! und flüstert Bei der Ballansprache den Schläger square zum Ziel ausrichten und in einer steileren Ebene schwingen. Oder: Atme, Michi, atme! Sowie: Wieso funktioniert der Scheiß nie? Ich räuspere mich, er schreckt hoch. „Was wird das, wenn’s fertig ist?“, frage ich und erspare mir eine Anmerkung zu seinem Geisteszustand. Er antwortet nur: Jeder hat ein anderes Verständnis von Entspannung. Du ordnest Reclamheftchen nach Genre – ich arbeite an meinem blöden Schlag. Wie heißt es so schön? „Wenn es im Inneren eines Menschen eine dunkle Stelle gibt, beim Golf tritt sie zutage.“ Schönes Spiel, Schatz.

Nächste Paaradox-Auftritte: 22. 6., 20 h bei KURIER-Nachtlese, Grelle Forelle, Donaukanal, 2. 7. Sommerzaubern in Leobersdorf, 23. 7. Wien (Summerstage), 17. 8. Linz ( Rosengarten)

Twitter: @GabrieleKuhn

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Er

Nach Lektüre der bekanntlich ziemlich eigenwillig gestalteten Kolumne meiner Frau mag allenfalls der Eindruck entstehen, sie sei mit einem Wesen am Rande der Zurechnungsfähigkeit verheiratet. Die Wahrheit ist freilich viel banaler. Ich habe mir lediglich eines meiner Trainingsbücher (die im übrigen für Menschen wie mich erschaffen wurden) geschnappt, um zu ergründen, wie ich einen allzu oft auftretenden Fehler durch eine kleine Schwungkorrektur fortan vermeiden könnte. Leider liegt
jedoch in unserer Wohnung nicht in jedem Zimmer ein Golfschläger für spontane Trockenübungen bereit, weil meine Idee einer solchen schlagtechnischen Erstversorgung einst bereits am Blick der Liebsten zerschellt ist. Also habe ich den Bewegungsablauf kurz mit einem Schirm simuliert.

Grenzwertigkeit

Nicht ahnend, dass gnä Kuhn plötzlich erscheint und mich entgeistert anstarrt, als würde ich in einem Beet hockerln und sagen: „Nein, nein, nein, Schneckilein, das geht gar nicht, weißt du? Du kannst nicht mit deinen grauslichen nackten Pfui-Freunden einfach das feine Salati verputzen, das ich angepflanzt habe. Das ist gaaaaanz böse. Uiuiui, was machen wir jetzt mit dir?“ So ein Vortrag wäre echt grenzwertig, aber ehrlich: Wer käme schon auf die sonderbare Idee, den Dialog mit Nacktschnecken zu suchen? Vermutlich nur jemand, der in einem scheinbar unbeobachteten Moment tief in seine Seele blicken lässt. Da fällt mit jetzt aber natürlich keine Frau der Welt ein ... was sehr schade ist, denn ich würde ihr dann gerne sagen: „Schatzi, die Hauptsache ist doch, dass die Viecher nicht mein Schnitzel fressen.“

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, nächste Termine: 23. 6. Wien (Studio Akzent).

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