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04.09.2017

Papa hüpf!

Wenn der Vater ... mit der Tochter. Gedanken zum permanenten Prinzessinnen-Alarm.

Ab diesem Zeitpunkt tat der Mann nebenan alles, um la Principessa zu dienen.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Der Mann nebenan ist übrigens auch ein "Pappo schnappo", eine Unterart der Spezies Väter. Wie man das wird? Es begann mit dem Karenzjahr des Jung-Papas, in dem er sich dem Charme seiner Tochter Zug um Zug unterordnete. Von nun an musste sie nur ihre langen Wimpern klimpern lassen und das Lockenköpfchen schütteln, schon schmolz Paps dahin. Ab diesem Zeitpunkt tat der Mann nebenan alles, um la Principessa zu dienen.

Winke, winke

Als er sie erstmals den Kindergruppen-Damen überließ, stand er mit Tränen vor der Tür – obwohl er wusste, dass er das Kind in zwei Stunden wieder abholen würde. Szenen wie diese wiederholten sich. Ihr erster Schultag war für ihn prägender als für sie selbst. Am liebsten hätte er in die Schultüte geheult. Dann drei Schuljahre lang täglich das gleiche Ritual: Er brachte die Tochter zur Schule, begleitete sie bis zu den Stiegen und winkte, bis sie weg war. Endgültig zum Pappo schnappo wurde er, als la Tochter begriff, dass sie sich für alles, das die Mama nie erlauben oder tun würde, den Papa schnappen könne. Und so schraubte er ihr Marmeladegläser auf, die sie auch aufschrauben hätte können und diente mit Löffelchen, Obststückchen und Gute-Nacht-Geschichtchen. Umso dramatischer erlebte Pappo schnappo den Tag, als sie ihn bat, sie nicht mehr zur Schule zu bringen, "weil das urepeinlich" wäre. Doch heute noch weiß er was zu tun ist, wenn am Handy eine SMS der 17-jährigen aufpoppt, mit folgenden Worten: "Pappo schnappo?". Nämlich – springen! Allen Pappo schnappos dieser Welt einen wunderbaren Schulstart.

Auftritte: 5. 10. Bruno/ Brunn, 14. 10. Danubium Tulln, 24. 10. Rabenhoftheater, Wien

Lesekabarett wieder im Herbst, alle Termine: www.paaradox.at

gabriele.kuhnfacebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Als ich einst verträumt in die Ferne blickte und die Worte "Duhu , ich wünsche mir ein Kind ..." sprach, lächelte die Liebste, wie sie – zumindest bildete ich mir das ein – noch nie zuvor gelächelt hatte. Damit signalisierte sie Bereitschaft, schuf allerdings auch Klarheit. Ein 50:50-Bewusstsein und maximale Vater-Verantwortung wäre alternativlos, sollte das Schicksal einen Baby-Plan für uns bereit haben. Heißt: Mir wurde in Wahrheit ein Pappo-schnappo-Vertrag mit zahlreichen To-do-Präambeln offenbart. Den ich euphorisch abnickte. In den folgenden Jahren nahm ich diese Behütungssause ziemlich ernst und gestehe, dass gnä Kuhns gelegentlicher Einwand "Ich bitt’ dich, jetzt mach net so a G’schiss" ein gewisse Berechtigung hatte. Der Grat zwischen schnappo und schnuppe ist eben schmal.

Sündenregister

Aber auch ich habe gelernt, dass ein prinzessinnenmäßiges "Der Koffer geht nicht zu, ich hasse es" oder ein "Fortgehen ist ure teuer" nicht in der Sekunde zu einer väterlichen Intervention führen muss. Und ich weiß genau, dass ich mich hin und wieder auch mit strengen Neins ins Sündenregister eintragen muss, und sei es nur, um meiner wohlwollenden Frau ("Moi, du bist die beste Mami der Welt") einige Bonuspunkte zuzuschanzen. Ich habe also meine Widerstandslektionen gelernt. Wenngleich eventuell nicht ganz so gut wie die junge Dame ihre Widerstandsüberlistungslektionen. Aber wer je Fundamentaldebatten mit Teenagern hatte, weiß: Ein "Sicher nicht, Ende der Diskussion" ist zur Grenzziehung wichtig. Ein "Also von mir aus, und jetzt verschwind’" soll’s jedoch gelegentlich auch geben. Altes Schnappo-Gesetz.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“ wieder im Herbst: u. a. 23. 10. Rothneusiedl, 4. 11. Kottingbrunn, 8. 11. Mödling

michael.hufnagl@kurier.at

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