Meinung | Kolumnen | Paaradox
18.02.2018

Nur ein paar Lampen

Einkauf. Sie entdeckt die Zügigkeit, er vergisst das Wesentliche – und alles ist beim Alten.

Der Komplize nebenan hält sich in puncto Beziehungs-Work-out mitunter gerne dezent im Hintergrund.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Beziehung ist harte Arbeit, heißt es gerne. Dazu fällt mir ein Spruch ein, den ich wo gelesen habe: „In der Arbeit ist es wie bei einem Banküberfall. Ohne die richtigen Komplizen wird das nichts.“ Der Komplize nebenan hält sich in puncto Beziehungs-Work-out mitunter gerne dezent im Hintergrund. Da schätzt er vor allem das Konzept „große Pause“, wie seinerzeit im Gymnasium. Nur kein Stress, bitte.

Du bist dran!

Das freilich gilt ausschließlich für ihn, den geistigen Vater der entspannten Liebes-Müh’. An mich hingegen richtet er gerne Sätze wie: Mah, immer das Gleiche mit dir! und die damit verbundene Aufforderung, ich solle, bittschön, was ändern. Tu ich eh, wie ein erneuter Besuch eines bekannten schwedischen Möbelhauses zeigte. Entgegen meiner bekannten Nur-ein-bisserl-schauen-Gewohnheiten pflügte ich zügig in die Lampenabteilung, wo ich im Rekordtempo alles, was ich fürs neue Büro brauchte, beieinander hatte. Fertig. Erst Kassa, dann Köttbullar. Die schönen Vasen ließ ich diszipliniert links liegen. Für dieses 1-A-Verhalten erwartete ich mir 1-A-Lob. Allenfalls einen Kniefall, zumindest Handibussi. Es passierte nichts. Offenbar hatte er mein völlig neu zusammengeschraubtes Ikea-Verhalten nicht einmal registriert. An dieser Stelle wurde die wilde Frau in mir zornig und knurrte: Rachä!!! Jätzt! Zwei Zentimeter vor Kassa & Köttbullar schaute ich ihn an und sagte wie beiläufig: Ups, ich hab was vergessen. In den darauffolgenden 55 Minuten stöhnte er sieben Mal den Satz Immer das Gleiche mit dir. Sowie: Hunger, Durst, Lulu! Es klang verzweifelt. „Men också darn“, würde der Schwede sagen. Was so viel heißt wie: Verflixt aber auch!

Lese-Termine: 24. 2. Klosterneuburg, 3. 3. Eisenstadt, 13. 4. Oberwaltersdorf, 19. 4. Rothneusiedlerhof, 8. 5. Perchtoldsdorf

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Er

Neben „Das heißt also, ich soll das erledigen?“ ist „Warum muss ich da mit?“ wohl eine der häufigsten Fragen, die ich meiner Frau stelle. Oft erschließt es sich mir nicht, warum ich als Begleitschutz unverzichtbar sein soll – z. B. anlässlich eines 60. Geburtstags ihres Halb-Cousins achten Grades, den ich ebenso wenig je zuvor in meinem Leben gesehen habe wie alle anderen 93 Gäste dieser Familienfeier. Ich bin dann der, der ihr Halt gibt, wenn sie „nicht weiß, mit wem ich reden soll“. Als könnte ausgerechnet das jemals ihr Problem sein. In Wahrheit wandelt die Liebste stundenlang von einem entfernten Verwandten zum anderen und erzählt alle tausend Anekdoten ihres Lebens, aus denen ich vermutlich in meiner Pension einen Gedichtband anfertigen werde. Während ich allein im Eck stehe und am lauwarmen Veltliner nippe. Da regt sich der Verdacht, ich könnte womöglich nur als Chauffeur geliebt sein, weil gnä Kuhn nicht gerne auf der Autobahn fährt, nicht gerne bei Dunkelheit, nicht gerne bei Regen … und überhaupt.

Kein Lob

Nur deshalb ist meine Anwesenheit im Reich von Älvängen und Örtofta erforderlich. Ich lenke (das Auto), schiebe (das Wagerl für die Lampen) und stehe für sonderbare Dialoge zur Verfügung. Sie: „Hm, wie findest du die?“ Ich: „Eh.“ Sie: „Naja, ich weiß nicht.“ Ungewöhnlich war jedenfalls, dass sie diesmal tatsächlich an allen Zimmer-Laternen vorbeiging, obwohl wir erst sieben besitzen. Leider habe ich verabsäumt, sie dafür zu loben. Und so etwas bestraft Uller, der nordische Gott der Jagd und des Zweikampfes, spätestens an der Kassa, wenn sie grinsend sagt: „Ui, jetzt habe ich etwas vergessen.“

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 1. 3. Wien, Studio Akzent, 4. 3. Wien (CasaNova). 7. 3. Graz (Casino).

Termine: paaradox.atfacebook.com/michael.hufnagl.9