© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
09/13/2015

Ja! Nein! Vielleicht!

Immer diese Entscheidungen: Das schwierige Leben der Wankelmutbürgerin und Herrn Wurscht.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Hätte gerne, dass er mir die Entscheidung abnimmt und mir mit einer konkreten Ansage das Leben erleichtert.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Ich gebe nur ungern zu, dass ich mitunter ein recht wankelmütiger Mensch bin – aber: Nobody is perfect! Es kann daher sein, dass ich gegen 17 Uhr enthusiastisch beschließe, um 20 Uhr ins Kino zu gehen. Und um 17.15. wieder schwanke, weil draußen die Sonne scheint und noch Sommer ist. Also raus mit uns! Möglicherweise finde ich aber um 18 Uhr, dass es doch ein bisserl zu frisch sei.

Wie du halt magst ...

Dieses Dilemma gehört geteilt, also kommuniziere ich dem Mann nebenan jeden neuen Gedankenschritt. Erst direkt am Telefon – so: Ich lasse zehn Mal läuten, er hebt sein Handy nicht ab, weil er angeblich im Arbeitszimmer sitzt, wo er keinen Empfang hat. Also Festnetz. Er: „Ja, mein Schatz?!“ Ich: „Huhu! Was machen wir abends?“ Er, gelangweilt: „Weiß nicht, was du halt magst“. – Anmerkung: Das hasse ich! Ich frage ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern, weil ich ratlos bin. Hätte gerne, dass er mir die Entscheidung abnimmt und mir mit einer konkreten Ansage das Leben erleichtert. Aber da kommt nix. Daher sage ich: „ Gemma Fisch essen?“ Er: „Von mir aus, ich habe zwar keinen Hunger, richte mich aber nach dir.“ – Anmerkung: Mit jemandem essen zu gehen, der an sich immer Hunger hat, aber just jetzt keinen, finde ich unappetitlich. Daher sage ich: Gut, dann esse ich nix, super für die Linie. Und schicke ihm eine SMS: „Gehen wir ins Kino? Wozu tendierst du jetzt ...?“ Da folgt von ihm ein langweiliges Herumgeeiere, weshalb ihm wirklich, wirklich alles recht sei. Wah! – Anmerkung: Für alle, die es jetzt ob der Grandezza des Mannes nebenan Tränen der Rührung in die Augen drückt: Es handelt sich um die pure Mir-wurscht-Attitüde. Meist bleiben wir dann daheim und reden darüber, dass wir früher mehr fortgegangen sind.

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Er

Eines der bedeutendsten Credos meiner Frau ist: „Fühl doch einmal in dich hinein.“ Bei genauer Betrachtung handelt es sich dabei vielleicht um jenen Satz, den ich in Diskussionen mehr fürchte als alles andere. Denn de facto käme ja kein ehelicher Diskurs oder gar Streit jemals zustande, hätte nicht zuvor ohnehin ein beiderseitiges Insichhineinfühlen stattgefunden. Aber mein Verständnis von einer emotionalen Reise in die eigenen Tiefen unterscheidet sich von ihrem ganz wesentlich. Sie ist nämlich von der Überzeugung beseelt, dass sich garantiert jedes im Bauch befindliche Gefühl von Zweifel auflöst, wenn man nur bereit ist, es sich stundenlang aus allen möglichen Perspektiven anzusehen, um im Anschluss ebenso stundenlang darüber zu reden. Diese große Weisheit auf dem Weg zur erlösenden Problembewältigung gilt jedoch nur dann, wenn es in feinsinnigen Gesprächen um die existenziellen Fragen des Lebens (Wer sind wir? Wo wollen wir gemeinsam hin? Und hast du eh die Tickets eingesteckt?) geht.

„Sag du!“

Kaum jedoch schlägt gnä Kuhn auf dem harten Boden der alltäglichen Banalitäten auf, verliert sie mit fast provokanter Vorliebe die Fähigkeit des Insichhineinfühlens. Und weil ich längst weiß, dass die von mir getroffene Entscheidung, ob Kochen, Pizza oder Sushi am Ende sicher die am wenigsten präferierte ist, kommt es regelmäßig zu meinen liebsten Dialogen. Sie: „Sag du!“ Ich: „Nein, sag du!“ Sie: „Nein, du!“ Ich: „Du!“ Sie: „Na geh!“ Ich: „Was?“ Sie: „Du weißt genau, was ich meine!“ Ich: „Meine Güte, so weit kommt’s noch!“

Unsere nächsten Paaradox-Auftritte: 23. 9. im Wiener Rabenhof, 28., 29. 9. in Schwechat/Schloss Freyenthurn, 2. 10. in LaxenburgTermine und Kartenbestellungen auf www.rabenhoftheater.com

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