Meinung | Kolumnen | Paaradox
25.02.2018

Immer dieses „Immer“

Erledigungen. Wenn auf dem Weg zum Glück ein Wort zum verlässlichen Begleitschutz wird.

Bevor ich das Ganze rhetorisch ein wenig abfedern konnte, hielt er auch schon einen ausufernden Vortrag.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

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Einmal pro Jahr wage ich mich an das hochsensible Projekt „Jetzt aber du!“. Während der Mann nebenan seinen Lieblingshonig aufs Brot streicht und wie immer"Des pickt so" stöhnt, frage ich ihn, ob er endlich einmal eine Kolumnenidee hätte. Wie etwa gestern, als ich die Frage mit dem Satz "Es kann ja nicht sein, dass ich mir immer das Hirn darüber zermartern muss" ergänzte. Da wurde es sehr still.

Was bitte heißt da IMMER?

An der Art, wie er nun Buttermesserl und Honigbroterl zurück auf den Teller plumpsen ließ, wurde ersichtlich, dass ich einen großen Fehler gemacht hatte. Ich hatte das böse Wort „immer“ verwendet – aus Sicht von Paartherapeuten ein „Geht gar nicht, wenn Sie ihre Ehe retten wollen“-Begriff. Prompt knurrte er: "Was bitte heißt da IMMER?" Dazu: Augenschlitze, mahlende Kiefermuskeln sowie dezentes über den Tisch spucken, weil er die zwei „tt“ in „Bitte“ dramatisch betonte. Bevor ich das Ganze rhetorisch ein wenig abfedern konnte, hielt er auch schon einen ausufernden Vortrag, was er – IMMER (mit fünf Rufzeichen), stündlich, sekündlich, täglich erledige. Immer trage er die Glasflaschen zum Container, immer sei er es, der nachts mit dem Hund ginge, immer müsse er Handwerker organisieren, wenn was kaputt ist (und es ist immer was kaputt), immer würde er am Wochenende zum Bäcker fahren und frisches Gebäck holen. Aber nie, nie, nie würde ich das lobend erwähnen. Bitte sehr, das sei an dieser Stelle für immer und ewig erledigt. Zum Ausschneiden: "Der Mann nebenan ist eh immer fleißig, Gesamtnote: immer sehr zufriedenstellend." Wenigstens hab’ ich jetzt ein Thema für die Kolumne. In ewiger Dankbarkeit, die Deine.

Paaradox-Termine: 3. 3. Eisenstadt, 19. 4. Rothneusiedlerhof, 8. 5. Perchtoldsdorf, 23. 4. Oberwaltersdorf

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Er

Immer dann, wenn die Liebste ihre Sätze mit einem "Ich weiß, dass ich dich damit nerve, aber ..." beginnt, steht fest, dass sie recht hat. Ich kann mir in diesem Moment sicher sein, dass mir im folgenden Nebensatz gnadenlos die Alltagsfalle vor Augen geführt wird. In meiner Gedankenwelt, in der ich mir unbehelligt selbst leid tun darf, sehe ich mich dann wortlos herumsitzen und nur darauf warten, dass mir fünf bis zehn Mal am Tag Zettelchen mit Aufträgen gereicht werden. Und nur, wenn ich die brav erledige, werde ich mit Zitronen-Ingwer-Tee und kleinen Brokkoli-Häppchen belohnt. Aber wehe, es fehlt ein Hakerl auf der Liste ... „Ich weiß, dass ich dich damit nerve, aber ... ... hast du wegen der Therme angerufen?“ – „Ja“; ... hast du den Steuerberater überwiesen?“ – „Ja“; ... hast du das Mail an die Dings geschrieben?“ – „Ja“; ... hast du schon den einen Termin geklärt?“ – „Ja“; ... hast du Druckerpatronen gekauft?“ – „Ui, vergessen“; Unverständlich Fehler. Und was für einer! Denn selbstverständlich waren die Druckerpatronen das wichtigste aller To-dos. Wahnsinn, wie man ausgerechnet auf die vergessen kann. Ganz ehrlich, ohne Druckerpatronen ist doch unsere Arbeit, unsere Ehe, unser Leben sinnlos. Es ist völlig unverständlich, warum ich IMMER die echt essenziellen Sachen nicht erledige. Das ist ein Muster, über das ich nachdenken sollte. Dankenswerterweise reicht mir gnä Kuhn auf dem Weg zur Selbsterkenntnis dann jedoch zärtlich die Hand und malt auf ein Post-it: „Bitte an die Patronen denken. Damit ich dir ein Herz ausdrucken kann. Hab’ dich sooo lieb!“ Und das ist dann schon schön.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 1. 3. Wien (Studio Akzent), 4. 3. Wien (CasaNova), 25. 4. Gmunden, 29. 5. Baden.

Termine: paaradox.atfacebook.com/michael.hufnagl.9