Meinung | Kolumnen | Paaradox
07.08.2017

Brumma brummarum ...

Der Geschirrspüler ist neu, der Ehe-Motor hält jeder Alltagsbelastung stand.

Wir haben jetzt einen neuen Geschirrspüler und er ist sehr leise.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Was bisher geschah: Unser kaputter Geschirrspüler trieb den Mann nebenan und mich beinahe in eine Ehekrise, was natürlich an ihm lag. Je unliebsamer eine Situation, desto mehr geriert er sich als Übertreibungsspezialist (eine Wortschöpfung, die wir dem Schriftsteller Thomas Bernhard zu verdanken haben). Als solcher malt er dunkle Wolken in die Landkarte seines Lebens, nippt an halb leeren Gläsern und nervt alle. Ich bin überzeugt, er tut das nur, weil er hofft, dass jemand sagt: „Armes Bärli, ich mach das für dich.“ Dieser Jemand firmiert unter „Gnä Kuhn“. Dieser Jemand hat den Mann nebenan aber auch bis zum Zellkern durchschaut. Also überließ ich es ihm, den Geschirrspüler-Reparaturtermin, der just auf den ersten Montag unseres Urlaubs fiel, an seine Mutter zu delegieren. Und sieh an: kein Problem.

Das Geschirrspüler-Grauen

Das erreichte uns als Drama, Teil 5, einige Zeit später, als es hieß: Geschirrspüler so kaputt, dass sich eine Reparatur nicht rentiert. Da verdunkelte sich der Blick des Übertreibungsspezialisten, er sprach: Genau, da wird die Erholung beim Teufel sein, wenn ich in einer dieser berühmt-berüchtigten Elektrofachhandelanstalten aus 100 Geschirrspülermodellen jenes herausfinden muss, das deine 700 Häferln sanft pflegt. Man hört ja, dass Menschen psychische Zusammenbrüche erleiden, weil sie an Begriffen wie Unterbaugerät, Gerätetyp oder Trockenverfahren kläglich scheitern und nächtelang davon träumen. An diesem Tag ging ich ans Meer, alleine. Blöd nur, dass dessen Rauschen mich an etwas erinnerte, an das ich nicht erinnert werden wollte. PS: Wir haben jetzt einen neuen Geschirrspüler und er ist sehr leise. Drama, Ende.

Weitere Auftritte: 17. 8. Linz, Rosengarten, www.paaradox.at

gabriele.kuhnfacebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Was bisher geschah: Unser kaputter Geschirrspüler trieb gnä Kuhn und mich beinahe in eine Ehekrise, was natürlich an ihr lag. Denn während sie sich von Tiefenentspannung beseelt eine Woche lang ihre Gaby-Zecherln von den Meereswellen umspielen ließ, organisierte ich fernmündlich alle notwendigen Maßnahmen für die professionelle Inspektion des Geräts. Es war also, wie es in solchen Fällen stets ist. Ich erledige, während meine Frau demonstrative Erwartungshaltungen einnimmt und ganz nebenbei zuverlässige Verkomplizierungsinputs liefert. So hat sie mir beispielsweise suggeriert, ich möge doch darüber nachdenken, ob der Befund „Irreparabel“ denn tatsächlich in Stein gemeißelt sein würde und ob nicht eine Zweitmeinung das Gebot der Stunde sei. Ich antwortete „Na ja, schau’ma mal“ und dachte zur gleichen Zeit: Fix nicht.

Mit Bravour

Als wir aus dem Urlaub heimkehrten, stand daher im Raum, dass man (= ich) Angebote prüfen könnte, dass man (= ich) sich die Zeit für eine Reise in abenteuerliche Geräte-Gefilde nehmen müsste, und dass man (= ich) einen Termin für das Rendezvous mit Aus- und Einbauspezialisten checken sollte. Das alles absolvierte ich freilich (wie ich es von mir nie anders erwartet hatte) mit Bravour und schickte ihr während der Anwesenheit der Techniker zwischenzeitlich ein Foto von einer Lücke in der Küchenzeile ins Büro. Ihr Kommentar: „Ui, da hinten ist es dreckig, das sollte man wegputzen.“ Eine tolle Idee, die nur sie haben konnte, aber man (= ich) reinigte gewissenhaft. Und das verbindet mich mit unserem neuen Geschirrspüler. Einziger Unterschied: Er flucht dabei nicht.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“ wieder im Herbst: 6. 10. Großrußbach, 10. und 11. 10. Schwechat, 17. 10. Graz

michael.hufnagl@kurier.at

facebook.com/michael.hufnagl.9