Meinung | Kolumnen | Paaradox
09.04.2017

Allerlei Kulinarrisches

Tischgebot. Liebe geht durch das Klagen – über die Tücken veränderter Essgewohnheiten.

Das Leben ist kein Keks, sondern eher eine halb leere Ketchupflasche.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Ich weine oft beim Kochen, das hat zwei Gründe. Erstens: Ich liebe Zwiebel! Daher steckt er in vielen meiner Speisen drin, außer es handelt sich um Mousse au Chocolat oder Guglhupf. Also schneide und weine ich, trotz der Ratschläge des Mannes nebenan, etwa: Setz dir doch eine Taucherbrille auf. Sowie: Hasi, mach beim Zwiebelschneiden einfach die Augen zu. Und sonst? Sonst ist zu sagen, dass das Leben kein Keks ist, sondern eher eine vor sich hinsprotzelnde, halb leere Ketchupflasche. Womit wir bei Wein-Grund Nummer 2 sind: meinem Saucentrauma.

Pfffrscht!

Da stehe ich in meinem Küchenreich, verfeinere, schmecke ab – doch p(l)atsch, kaum serviere ich das Gericht, steht er mit folgenden Worten auf: Ui, da brauch ich was dazu. Dann latscht er zum Eiskasten und bringt, je nach aktueller Geschmackslage, entweder Ketchup oder Cocktailsauce an den Tisch. Um sich schließlich mit einem unappetitlichen Pffffrscht! einen Saucensee auf mein mit Liebe zubereitetes Essen zu sprotzeln. Überhaupt jetzt, in meiner eher vegetarischen Schaffensphase, die er mit Begriffen wie Vogelfutterperiode oder Verwirrung abtut. Also landet wechselweise rote oder orangefarbene Pampe auf meinem Gemüse-Risotto (Nur so ertrage ich, dass da kein Fleisch drin ist), auf Polenta (Wenn ich Papier essen will, esse ich meinen Steuerbescheid) oder auf staubtrockenem Toast (Sorry, ich hab schon so einen Hunger und was du da kochst, schaut eher nicht so aus, als würde ich davon satt). Doch Rettung in Sicht! Nach längerem Nachdenken weiß ich, was ich morgen pünktlich zur Abendhungerszeit sage: „Das Essen steht im Kochbuch, Hasi.“

Paaradox-Auftritte: 28. 4. im Wiener Rabenhof, 10. 5. im Rothneusiedlerhof.

gabriele.kuhn@kurier.at

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Er

Es muss geschrieben werden: Sie und ich machen gerade eine schwierige Phase durch. Was ausschließlich daran liegt, dass sie auf den Geschmack gekommen ist, ohne Geschmack leben zu wollen. Eine Zeit lang dachte ich, der Verzicht auf Nahrungsmittel, die nicht Reis, Gemüse und Brei sind, wäre eine Art Entgiftungskur, die recht bald mit dem Ergebnis „Clean“ endet. Genau so kam es auch, was nicht erfolgte, war das erlösende Kommando: „So, Familie, ich habe unser kulinarisches Zusammenleben zur Genüge kompliziert gestaltet, ab jetzt hauen wir wieder ordentlich rein!“ Nein, nicht einmal der Umstand, dass wir mehr und mehr zur Trennkost übergehen (heißt, sie isst etwas anderes als ich), vermag eine Trendwende einzuleiten. Denn die Liebste hat an ihrer Radikalreduktion längst so viel Gefallen gefunden, dass sie nicht nur (zur Selbstbestätigung) ständig darüber redet, was sich alles in ihrem Leben zum Besseren verändert hätte (Ich sage nur: „Schau’ Schatzi, schau’, schau’, die Hose war mir zu eng, und jetzt schau’ Schatzi, schau’, schau’, passt, Wahnsinn.")

Komprobisse

Das Problem ist: Gnä Gerte entwickelt auch missionarische Tendenzen. Da reicht eine hochgezogene Augenbraue, sobald ich am Veltliner nippe oder mir ein wenig Cocktailsauce gönne, um subtil zu signalisieren: „Na ja, wenn du meinst?!“ Und erst unlängst wollte sie mich überreden, sie und ihre Freundin ins Restaurant „Zum fröhlichen Tofu“ zu begleiten. Ich entgegnete: „Gerne. Dafür kostest du zwei Gabeln von meinem selbst gemachten Bœuf Stroganoff." Dann lächelten wir beide. Denn Liebe ist eben oft auch Verhandlungssache.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“, nächste Termine: 18. 5., 23. 6. Wien (Studio Akzent), 19. 5., 20. 5. Klosterneuburg.

michael.hufnagl@kurier.at

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