© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
07/12/2015

Alle Zehne!

Hochzeitstag. Eine Reise zum Jubiläum ist ein klarer Fall für Harmonie - oder auch nicht.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Mittlerweile kenne ich das Datum so gut, als würde an dem Tag das Champions-League-Finale stattfinden

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Und? Was war so am Hochzeitstag? Die Neugierde schien unermesslich. Täglich poppten eMails bei mir auf. Zum Beispiel mit Rachetipps von Lesern, falls er auf das Jubiläum vergessen würde: „Backen Sie ihm eine Torte und verstecken Sie darin ganze Paradeiser.“ Oder: „Legen Sie ihm heimlich eine Heizdecke unter seine Bettseite und stellen Sie diese auf konstante 35 Grad ein.“ Verehrer boten sich als Ersatz an, etwa: „Geehrte Frau Gabriele! Falls Ihr komischer Gatte kein adäquates Geschenk hat, stehe ich Ihnen umfassend zur Verfügung.“ Ich lehnte dankend ab, im Vertrauen darauf, dass sowieso etwas sehr Tolles passieren würde.

Glück mit Hürden

Tat es. Er überraschte mit romantischen Tagen in der Südsteiermark. Doch erst mussten wir die eine oder andere Honeymoon-Hürde nehmen. Etwa in Form einer Reisetasche. Als er nämlich registrierte, dass ich für mich zwei solcher Taschen beanspruchte, empörte er sich: "Du weißt hoffentlich, dass wir nur drei Tage wegfahren und nicht drei Monate? Was ist da eigentlich drin? Baumaterial für einen Pool? Nur so: Den gibt’s dort schon.“ Ich überhörte diesen Blödsinn, konnte mir aber ein Na, Hauptsache, du hast für unser Romantik-Weekend ein eigenes Tascherl mit 10 Sudokus, vier Büchern und einem Laptop mit. Willst du nicht doch lieber mit dir alleine wegfahren? nicht verkneifen. Ich wandte mich gereizt dem Geschirrspüler zu, den ich noch schnell vor der Abreise befüllte. Da spürte ich seine Blicke. Feierlich stand er neben mir. Ich dachte, dass er jetzt etwas sehr Schönes, dem Tag Entsprechendes, sagen würde. Und dann sprach er, mit Blick auf seinen heiß geliebten Geschirrspüler: „Schön machst du das heute. So, als hätte ich ihn eingeräumt.“ 10 Jahre Ehe. Zum ersten Mal war ich sprachlos.

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Er

Der Vorteil daran, einst den ersten Hochzeitstag vergessen zu haben, wofür ich als emotionaler Tunichtgut der Top-Kategorie durch den Verwandten- und Freundeskreis geschubst wurde, ist: Seit damals werde ich regelmäßig daran erinnert. Gefühlsmäßig beinahe täglich. Und vor allem von jedem. Sogar die Bäckersfrau meines Vertrauens schenkt mir Juni für Juni bei jeder Gelegenheit und erst vor der Herausgabe von Salzstangerln das gewisse Zwinkern, das unmissverständlich zum Ausdruck bringt: Obacht, Rosenkavalier, es warat bald so weit! Mittlerweile kenne ich das Datum so gut, als würde an dem Tag das Champions-League-Finale stattfinden, was heißt: Ich kann das Zierpölsterchen, auf dem das feine Sprüchlein Alle zehn – wie scheen eingestickt ist, rechtzeitig bestellen und mich als unverbesserlicher Romantiker feiern lassen.

Nicht notwendig

Zum Jubiläum sollte es aber auch etwas Besonderes sein. Und da ich seit der Volksschulzeit darauf verzichtet habe, meine Bastelfähigkeiten ein bisserl zu verfeinern, dachte ich an eine kleine Reise. So eine Überraschung samt Lokal- Reservierungen wäre natürlich überhaupt nicht notwendig gewesen. Nie und nimmer. Aber geh’, ich bitte dich. Sagt sie. Und meint natürlich das Gegenteil. Aber hätte ich die Liebste all’ die Jahre immer beim Wort genommen, wäre sie wohl nicht mehr die Liebste. Wenn sie z. B. sagt, dass sie für die paar Tage sicher nur das Allernotwendigste einpacke, was darin gipfelt, dass ich überlege, ob es aus Platzgründen tatsächlich notwendig ist, Verbandskasten und Pannendreieck mitzuführen. Und dann steht sie mit einem Glaserl Morillon am Pool und teilt mir mit, dass sie aufs Badezeug vergessen habe. Aber mit keinem Wort, dass es meine Schuld sei. Toll. Darauf lässt sich bis zum gemeinsamen 20er aufbauen.

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