Paaradox: Laster-Fahndung
Paaradox: Laster-Fahndung

© Illustration: Andrea Kritzmanich

über Beziehungsstrategien

Eine Frage der Strategie

Je länger die Ehe, desto intensiver die Sprachforschung.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

06/30/2013, 04:15 AM

Ein „ Wahlzuckerl“ schadet auch in der Ehe nicht.

Gabriele Kuhn | über Beziehungsstrategien

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Eine Ehe ist kein Federbällchen-Turnier, wo sich die Protagonisten jahrelang liebevoll mit Wattebauschen bewerfen und dazu Hallo, Zuckerschnute hauchen. Eine Ehe ist ein Spannungsfeld, in dem eigene Bedürfnisse so maximiert werden müssen, dass es der andere nicht merkt. Oder er bereits denkt, es wären die eigenen. Dazu braucht es raffinierte Strategien. Als Ehefrau mutiert man also – gewissermaßen – zur friedlichen Kriegerin. Ein zentrales Macht-Instrument ist natürlich die Kommunikation. Mit Raffinesse und subtil eingesetzt, kann sie Wunder wirken. Eine Lektion in Kommunikationspsychologie kann ich allen Ehefrauen also nur raten.

Jetzt, oder ...!

Regel Nummer 1: Einfachheit (Gegenteil: Kompliziertheit). Sagen Sie deutlich, was Sie wollen, anders versteht er’s nicht. Beispiel: Sie wollen ein Fest verlassen, während er in bester Trinklaune ist? Sagen Sie: „Gemma. Jetzt. Oder ...“ Statt: „Duhu, es wäre supernett, könntest du langsam austrinken und blabla.“ Regel Nummer 2: Gliederung-Ordnung (Gegenteil: Unübersichtlichkeit, Zusammenhanglosigkeit). Heißt: Stammeln Sie nicht hilflos herum oder bitten Sie in Schachtelsätzen, dass er das tut, was Sie wollen. Verwenden Sie klare Subjekt-Hilfsverb-Prädikat-Aussagen: „Ich will gehen.“ Regel Nummer 3: Kürze/Prägnanz (Gegenteil: Weitschweifigkeit). Hören Sie auf, Geschichten zu erzählen, die er nicht hören will („Ich muss schlafen, weil ich sonst Migräne habe. Ich muss früh raus, weil die Freundin meiner Freundin ... blabla). Stattdessen: „Wenn du jetzt nicht in der Sekunde mitgehst, kannst am Parkbankerl büseln.“ Regel Nummer 4 ist nicht zwingend, hilft aber: Zusätzliche Stimulanz (Gegenteil: keine zusätzliche Stimulanz). Ein „Wahlzuckerl“ schadet auch in der Ehe nicht. Versprechen Sie ihm für das gewünschte Verhalten etwas, wurscht, ob Sie es halten wollen oder nicht.

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Er Die Sprache einer langjährigen Ehe ist eine sehr spezielle Kunstform, die sich auf verschlungenen Pfaden entwickelt. Eine der wichtigsten männlichen Strategien dabei ist jedenfalls, seine Frau in dem guten Glauben zu lassen, sie hätte allen Ernstes eine erfolgreiche Strategie (wofür auch immer), und man würde diese so gar nicht durchschauen.

Die zweite Verhaltensregel, die im partnerschaftlichen Kommunikationsspektrum entscheidende Bedeutung hat, ist die richtige Balance zwischen „aktiver Wahrnehmung“ und „passivem Durchzug“. Heißt: Ein genaues Gespür dafür zu entwickeln, wann Sätze wie „Ich sehe es dir an, du willst gehen“ oder „Du hast ja eh recht“ angebracht sind. Und wann wiederum das oft viel bequemere scheinbare Zuhören genügt – listig gestützt durch gelegentliches Nicken oder geistige Anwesenheitssignale wie „hmhm“, ah“ oder „okay“. Glauben Sie mir, sie merkt das nicht, weil sie viel zu sehr mit sich und ihrer Botschaft beschäftigt ist. Und ihre Frage „Hörst du mir überhaupt zu?“ ist nur ein weiblicher Reflex.

Zeit schinden

Spannend wird es tatsächlich, wenn meine Frau eine Veranstaltung verlassen will, und ich nicht (den umgekehrten Fall gibt es nie). Dann gilt für die Mission Zeit schinden a) so lange wie möglich den Blickkontakt zu vermeiden, b) trickreich räumliche Distanz zu schaffen, c) jedes Gespräch mimisch so intensiv zu begleiten, als wäre es lebenswichtig, d) ein Achtel zu bestellen. Erst, wenn sie coram publico sagt „Ich bestell’ mir jetzt ein Taxi“, weiß ich: Gefahr im Verzug! Dann gähne ich, was so viel heißt wie: Jö, ich fahr’ mit! Am Abend des 7. Juli wird aber alles anders sein. Da lesen wir um 20 h beim Leobersdorfer „Sommerzaubern“ in trauter Zweisamkeit unsere Texte vor (www.sommerzaubern.at).

michael.hufnagl @MHufnagl

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