© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
04/27/2014

Der Zauberkasten

Die Mutter wird streng, wenn der Tochter-Wunsch dem Vater Befehl ist.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Ich gebe zu, dass ich als Vater anstrengend sein kann.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Während all die glücklichen Menschen einander glückliche Eier schenkten, lief bei uns in den Osterferien manches unrund. Es eierte. Und zwar deshalb: Kind in Pubertät wünschte sich zum Geburtstag neue Möbel, ein Paradies in Do-it-yourself-Weiß. Inklusive chilligem Kötbullar-Essen. Der Vater des Kindes mag weder Weiß noch Kötbullar, aber er vergöttert "la Tochter". Daher fuhr er ohne murren vier Mal ins schwedische Möbelhaus und wieder zurück. Wieder einmal.

Papas Prinzessinnen-Kasten

Die damit verknüpften Irrungen und Wirrungen würden ein Familien-Epos füllen – Titel: "Wie bastle ich mir einen Wutanfall?" Intro: Die Diskussion um Wünsche. Der Tochter Wunsch ist stets teuer – und leider auch kompliziert. Etwa ein großer Kasten mit Schiebetüren. Aus Glas. In Weiß. Elegant. Ein Prinzessinnen-Kasten. Ich sage Nein. Er ebenfalls. Um beim zweiten Augenaufschlag der Prinzessin zu kippen: "Wenn sie es sich doch so wünscht...". Warmduscher! Osterhase! Doch die Papa-Tochter-Allianz ist zäh. Aber bitte: Ich bau das ja nicht zusammen. Also sage ich: Dann kauf’s! Tut er. Die 11-Stunden- Aktion im Genre "Ich will der tollste Papa der Welt sein und bastle einen Zauber-Kasten für meine Prinzessin" habe allerdings ich zu büßen. Ich höre mir einen langen Vortrag zum Thema "Die Geschichte des verlorenen Schraubens" an.Grau-en-haft! Schuld bin natürlich ich, obwohl ich nicht einmal weiß, wie das Ding aussieht. Anderntags kommt das blöde Bett dran, das nicht einfach nur ein Bett sein darf, sondern eines, das man ausziehen kann, das drei lustige Laden hat und lustige Rückenlehnen. Dass so ein Wunderwerk an Liege-Statt nicht mit einem Schnips und ohne fünf Götz-Zitate aufgestellt ist – eh klar. Zumal des Mannes Doppel-Linkshändigkeit nur am Tennisplatz legendär ist. So betrachtet waren meine Osterferien ein veritabler Netzroller.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Ich gebe zu, dass ich als Vater anstrengend sein kann. Weniger für das Kind als vielmehr für die Ehefrau. Denn einerseits passieren mir in meiner autoritären Rolle gelegentliche Texthänger. Und andererseits wird mein Bemühen zur Herzeroberung immer schwieriger und daher auffälliger, je älter die Tochter wird. Erst kürzlich musste ich wieder bemerken, dass so eine pubertierende Prinzessin spezielle Ansprüche hat. Als ich sie zum Bus für den Schulausflug führte und im Willen, Peinlichkeiten vorzubeugen, naiv nach Verhaltensregeln fragte, erwiderte sie: "Du musst nur cool sein. Und cool sein heißt nicht auffallen." Also verzichtete ich, um ihre Liebe zu mir nicht zu gefährden, auf meine Justin-Bieber-Parodie.

Nicht die Luxusvariante

Jetzt ist es aber so, dass die Mutter meines Sonnenscheins trotz gemeinsam festgelegter Erziehungsrichtlinien meinen Hang zum Schwächeanfall kennt. Daher spricht sie mitunter in so strengem Ton mit mir, als wäre ich der Bub, der zum Licht geführt werden müsste. "Wir haben uns nach heftiger Debatte auf einen Kasten verständigt", sagte sie vor meinem Aufbruch nach Paxland. "Das ist auch für dein Ostergeburtstagsmädi okay. Es muss also nicht die Luxusvariante sein. Stimmt’s?" Ich erkannte die subtile Forderung nach Standhaftigkeit, nickte aber dennoch aus Überzeugung. Und ich schwöre, dass ich später auch zwei Mal "Sicher nicht" gesagt habe. Laut. Als ich gebeten wurde, ein letztes Mal darüber nachzudenken, ob es bei einer Investition für so viele Jahre nicht jenseits des ausgemachten "okay" doch noch Spielraum gäbe. Und als meine Frau von der spontanen Änderung in der Kastenfrage erfuhr, formten sich ihre Augen zu Sehschlitzen. Sie beruhigte sich aber rasch wieder, weil ja ein – wie ich finde – starkes Argument den Ausschlag gegeben hatte. Bestehend aus nur einem Wort: "Paaapiiiiiii?!?!"

Twitter: @MHufnagl

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