Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
28.12.2017

Zwischen den Jahren

Man hat das Gefühl, die Zeit ruht sich aus.

Guido Tartarotti | über die "Zeit zwischen den Jahren".

Die Zeit vor Weihnachten wird „die stillste Zeit“ genannt (ja, wir Menschen haben ein elastisches Verhältnis zur Realität). Die Zeit, in der wir uns jetzt befinden – also die Phase zwischen Weihnachten und Silvester – heißt dagegen „die Zeit zwischen den Jahren“. Das ist ein interessanter Begriff, denn das Jahr geht ja fugenlos ins nächste über, ohne Übergang. Diese Zeit gibt es also genau genommen nicht, und vielleicht ist sie deshalb so schön.

Die Zeit zwischen den Jahren ist vielleicht die langsamste des Jahres. Man hat das Gefühl, die Zeit ruht sich aus, sie verdaut alles, was wir in den anderen Wochen des Jahres unbedingt in ihr unterbringen wollten.

Es gibt eine Studie, wonach sogenannte „Schweigeminuten“ (die in Wahrheit ja nie eine Minute gedauert haben) immer kürzer werden, oft nur noch wenige Sekunden anhalten. Offenbar ertragen wir Stille immer weniger gut.

Man kann die Zeit zwischen den Jahren nutzen. Zum Beispiel, um Geschenke umzutauschen. Oder, um ein wenig Stille zu hören.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen, am 13. Jänner in der Kulturwerkstatt Kottingbrunn, am 31. Jänner im Theater am Alsergrund und am 21. Februar im Kabarett Niedermair.