Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
13.01.2018

Zustände und Glück

Glück ist, wenn der Schmerz nachlässt. Oder die Langeweile.

Guido Tartarotti | über Zustände und Beschwerden.

Gestern konnte man an dieser Stelle über die entspannende Kraft des Raunzens lesen: Laut einer Studie zählen die Österreicher zu den glücklichsten Menschen in Europa – möglicherweise nicht trotz, sondern wegen der Tatsache, dass wir so gerne raunzen. Und vor wenigen Tagen ging es hier um das beliebteste österreichische Leiden: die Zustände. Wer Zustände hat, der hat zwar etwas, aber genau genommen fehlt ihm was.

Ergänzt sei: In Wahrheit gibt es in Österreich nur zwei Krankheiten – Zustände und Beschwerden. Sagte die Großmutter des Autors dieser Zeilen, die Ärztin war. „Frau Dokta, Frau Dokta, i hob Beschwerden!“ – „Ja, was haben Sie denn?“ – „Jo, i hob soichane Zuaständ’“ (bzw. umgekehrt). Das war der Dialog, den sie am öftesten führen musste. „Denen ist ja nur fad“, sagte sie dann meist am Abend.

Bei all diesen Glücks-Studien wird eines nie geklärt: Was heißt eigentlich „glücklich“? Der Versuch einer Definition: Glück ist, wenn der Schmerz (bzw. Zustände und Beschwerden) nachlässt. Oder die Langeweile.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 31. Jänner und am 2. März im Theater am Alsergrund, am 19. Februar in der Kulturwerkstatt Kottingbrunn, am 21. Februar und am 3. Mai im Kabarett Niedermair, am 17. März in der Tischlerei Melk und am 20. März im CasaNova Wien zu sehen.