über Ansichtskarten.
07/25/2015

Karten von Zeitreisen

von Guido Tartarotti

Papi ich hap so viele Fische gesehen Bussi.

Guido Tartarotti | über Ansichtskarten.

Die eine Oma reiste (etwa nach Syrien, das ginge heute nicht mehr) und schrieb immer, meistens Schilderungen von Architektur. Leider konnte man ihre Schrift nicht lesen, sie war Ärztin, nur das Wort „kolossal“ konnten wir stets entziffern, ihr Lieblingswort.

Die andere Oma schrieb nie, denn sie verreiste nie, bereits am Ortsrand von Hinterbrühl befiel sie Heimweh nach Breslau (sie lebte in NÖ, ihre Heimat jedoch war Schlesien). Aber sie wollte, dass man ihr schrieb, sonst wurde sie unruhig – „Liebe Oma, uns geht es gut, wie geht es dir?“. (Die Phrase „Wie geht es dir?“ war beliebt, aber im Grunde genommen sinnlos als Ansichtskarten-Text – denn niemand schrieb einem in den Urlaub eine Karte zurück mit der Info „Eh gut“. Zumal die Ansichtskarten später heimkamen als man selbst.)

Ansichtskarten. (Die Nationalbibliothek bietet jetzt online historische Motive zum Versenden an.) Sie hängen vergilbt an der Pinnwand, man dreht sie um und liest „Papi ich hap so viele Fische gesehen Bussi“. Damals eine Karte aus Kroatien, heute eine aus der Zeit.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.