Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
19.10.2017

"Karl Kraus"

Man nennt das den 'Amoploph-Effekt'.

Guido Tartarotti | über nie gesagte Zitate.

Man nennt das den „Amoploph-Effekt“: Wer in einem Gespräch unter Menschen, die gerne ihre Bildung zur Schau stellen, ein frei erfundenes, aber wichtig klingendes Wort einstreut (wie „amoploph“), wird damit meist durchkommen. Da sich keiner eine intellektuelle Blöße geben will, werden alle so tun, als ob sie das Wort kennen.

Das funktioniert auch mit Zitaten: Man sage irgendeinen Satz und füge beiläufig hinzu: „ Karl Kraus“. (Ähnlich beliebte Zitate-Spender: Churchill, Nestroy, Samuel Beckett, George Bernard Shaw und Konfuzius, der 200 Jahre lang ununterbrochen geredet haben müsste, um alles zu sagen, was angeblich von ihm ist.)

Der Autor Martin Rasper hat jetzt ein Buch herausgebracht über berühmte Zitate, die gar nicht von dem stammen, für den sie stehen: Von „No sports“ bis „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“. Entscheidend ist aber, DASS es sie gibt, jene schönen Sätze, die das Leben übersichtlicher machen. Denn schließlich „ist alles sehr kompliziert“ (wie Sinowatz angeblich so nie gesagt hat).

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 24. Oktober und am 2. Dezember im Theater am Alsergrund, am 20. November in der Kulisse Wien und am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen.