Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
27.01.2014

Die Bobo-Partei

Seit einigen Jahren geistert er durch die Medien: Der Bourgeois Bohemien, kurz Bobo genannt.

Typisch für den Bobo ist: Niemand will einer sein, aber jeder kennt einen. Er ist ursprünglich ein Stadtgewächs, aber es gibt ihn längst im ganzen Land. Er ist ein Widerspruch in sich selbst, ein „Oxymoron“: Das eine Bo widerspricht dem anderen. Bourgeoisie ist ein Spottbegriff für eine degenerierte, kapitalistische Oberschicht, Bohème beschreibt eine künstlerisch-intellektuelle Gegenkultur. Der Bobo ist sozusagen ein rebellischer Spießer, ein idealistischer Materialist, ein Baumumarmer im Porsche Cayenne.

Jetzt hat der Bobo auch eine eigene Partei maßgeschneidert bekommen (Maßgeschneidertes mag er): die Neos (siehe Bericht hier). Sie sind das Angebot für alle, denen die ÖVP zu steif, zu katholisch und zu altvat’risch ist, und denen die Grünen zu humorlos, zu missionarisch und zu weltfremd sind. Falls die Neos sich nicht durch Anfälle von Umnachtung selbst abmontieren, könnten die auf Dauer ein wichtiger Faktor der Innenpolitik werden.