Meinung | Kolumnen | Ohrwaschl
07.02.2017

Den Sessel weggezogen

Der SPÖ wurde in Graz buchstäblich der Sessel unterm Gesäß weggezogen. Ein harter Aufprall.

Birgit Braunrath | über einen politischen Gesichtsverlust

Jetzt wurde der SPÖ in Graz buchstäblich der Sessel unterm Gesäß weggezogen. Und das ist noch zart ausgedrückt. Die Auszählung der Briefwahlstimmen ergab, dass die SPÖ im Stadtsenat nicht vertreten sein wird (ÖVP: 3 Sitze, KPÖ: 2, FPÖ und Grüne: je einer). Zur Erinnerung: Von 1985 bis 2003 stellte die SPÖ den Grazer Bürgermeister.

Das böse Erwachen in der Bedeutungslosigkeit einer 10-Prozent-Partei auf Platz fünf mag für jüngere Politikbeobachter ein Einzelschicksal auf Kommunalebene darstellen. Verfolgt man aber Österreichs Politik seit 50 Jahren, so stellt dieser Absturz einen denkwürdigen Marker dar: Ein Land, das sich SPÖ und ÖVP aufteilten, weil Wahlergebnisse lange Zeit aus zwei haushohen Säulen in Rot und Schwarz bestanden (während einzig die FPÖ eine winzige Fünf-Prozent-Deko-Säule beisteuerte), verabschiedet sich endgültig von seiner Großparteien-Geschichte.

Der Verlust dieses Sessels ist ein historischer Gesichtsverlust, der über eine regional kleinzuredende Blamage hinausgeht. Großparteien waren einmal. Groß ist nur noch die Ratlosigkeit.