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22.03.2017

Yoga-Hose trifft Dürer-Hasen

Möglicherweise ziehe ich mir damit den Unmut der Yoginis auf mich.

Wird die Stellung des Hasen als Huldigung an Dürers Aquarell hier besonders oft durchgeführt?

Anna-Maria Bauer | über "Yoga meets Art"

Möglicherweise ziehe ich mir damit den Unmut der Yoginis auf mich. Aber etwas habe ich bei dieser Sportart noch nie verstanden: Wann immer ich etwas über Yoga lese, folgt darauf ein Satz, der so klingt wie: "Finde dich selbst". Oder: "Das Wichtigste an Yoga bist du selbst". Wenn dem so ist, dann ist es doch eigentlich komplett egal, wie die Welt um mich herum in diesemmich Moment aussieht, oder? Wie passt das aber damit zusammen, dass Kurse an immer spektakuläreren Orten abgehalten werden? So gibt es unzählige Yoga-Kurse im Park, es gibt Yoga über den Dächern Wiens. Ja, es gab sogar schon Yoga am Wasser; dazu wurde ein Inselboot auf der Alten Donau in ein Yogastudio umfunktioniert.

Kommenden Samstag wird das Repertoire der außergewöhnlichen Yoga-Orte um eine Location reicher: Am 25. März findet zum ersten Mal "Yoga meets Art" statt, konkret: Yoga im Musensaal der Albertina. Und das wirft einige Fragen auf: Wird der Sonnengruß dann nach Miros "Figuren mit Hund vor Sonne" ausgerichtet? Wird die Stellung des Hasen als Huldigung an Dürers Aquarell hier besonders oft durchgeführt? Und: Bleiben die Saalaufseher still, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Herabschauenden Hund das in Yogahosen gekleidete Gesäß einer marmornen Muse entgegenstrecken?