Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
22.08.2017

So ein Zufall!

Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass auf Bildern plötzlich niemand mehr direkt in die Kamera blickt?

Julia Pfligl | über nervige Foto-Trends

Gestern äußerte Kollegin A. an dieser Stelle ihren Unmut über die Foodporn-Hysterie: Jedes Gericht, beobachte sie in Restaurants, werde vor dem Essen erst mal fotografiert und gepostet. Stimmt. Nervig.

Jedoch gibt es einen Foto-Trend, der noch viel lächerlicher ist. Oder ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass auf Bildern plötzlich niemand mehr direkt in die Kamera blickt? Instagram ist – vor allem in der Urlaubszeit – voll mit scheinbar zufällig entstandenen, aber verdächtig perfekten "Schnappschüssen". Als Fan der geplanten Frontal-Fotografie (Ich sage nur: Cheeeese!) frage ich mich: Wie läuft so was? Man klettert mit perfekt sitzendem Bikini aus dem Pool, wo zufällig gerade der Freund mit dem Smartphone steht und im richtigen Moment bei idealen Lichtverhältnissen abdrückt?

Wohl kaum. Unlängst beobachtete ich eine Touristin, die ihre Begleitung penibelst instruierte, wie der Schnappschuss mit Cocktail in der Hand und Blick über die Dächer Wiens auszusehen habe. Der zehnte Versuch erwies sich schließlich als spontan genug. Gut nur, dass es für die vermeintlich ungestellten Aufnahmen nun einen Hashtag gibt: #plandid – aus planned (geplant) und candid (ehrlich). Passt, finde ich. Jetzt müssen wir uns nur noch auf eine Kennzeichnungspflicht einigen.