Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
21.09.2017

Wien und die „G’scheadn“

Es ist wieder soweit: Man kostümiert sich als Landmann und Landfrau.

Mag. Uwe Mauch | über Wiener Kostümierungen

Es ist wieder soweit: Man kostümiert sich als Landmann und Landfrau, tuckert zum Praterstern, malträtiert dort die Kaiserwiese und zahlt für ein Bier knapp zehn Euro. Wien tut wieder so, als wäre es Land. Dabei war unsere Beziehung zur Provinz – sagen wir – nie ganz friktionsfrei.

Ich erinnere mich an meine Kindheit, als wir mit dem Fußballverein „aufs Land“ fuhren – und dieses Land für uns schon in Lang- bzw. Großenzersdorf begann . „Den G’scheadn musst die Butt’n anfüllen.“ War sich unser Betreuerstab einig. Einig, dass wir Wiener nicht nur die sportlich Überlegenen sind. (Dass uns die Junker der Provinz dann jedes Mal über den Stadt-Burli-Scheitel liefen, ist eine andere Geschichte.)

Die Kulturgeschichte der Stadt-Land-Widersprüche ist noch nicht geschrieben. Fix ist, dass unser Hochmut auch zum Fall führte. Ich erinnere mich ferner, dass mein Vater mit Frau und zwei kleinen Kindern im Wagen spätabends von einem Tiroler Hotelier brüsk abgewiesen wurde, weil der unser Wiener Kennzeichen erspähte. Und dass der nächste Hotelier ein Zimmer frei hatte, weil ihn meine deutsche Mutter darum fragte.

Heute kann Wien in Lederhose und Dirndl immerhin Sympathiepunkte sammeln: Seht her, Leute vom Land, wir kleiden uns wie eure Vorfahren! Wir wollen nix Besseres sein als ihr!