Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
30.11.2017

Wickel vor der Tür

In Kürze wird er ihnen mitteilen müssen, was sie de facto gewählt haben.

Mag. Uwe Mauch | über drohendes Ungemach

Heute ausnahmsweise einmal ein Ausblick über den Rand der Stadt, auch deshalb, weil man in diesen Tagen – wieder einmal – ungeniert und ungestraft auf die Schwächsten in unserer Gesellschaft hinhacken darf.

Zunächst nach England: Dort haben die Streichungen der Wohnbeihilfe zu einem zehnprozentigen Anstieg von so genannten Erschöpfungsdepressionen geführt, und zwar – ganz genau – bei Personen aus Niedrigeinkommenshaushalten. Dies zeigen aktuelle Studien der Universität Oxford.

Und dann rüber nach Deutschland: Dort hat Hartz IV laut ebenso einschlägigen Untersuchungen die Kinderarmut bis weit in die untere Mittelschicht erhöht. Langzeitstudien zeigen übrigens auch einen klaren Zusammenhang zwischen Familieneinkommen und Entwicklung des Kindeswohls.

Dazu passt, was mir ein Kundenbetreuer in einem Wiener Arbeitsamt erzählt hat: das Gros seiner Kundschaft hat jene Partei gewählt, die angeblich für sie, die kleinen Leute da ist. In Kürze wird er ihnen mitteilen müssen, was sie de facto gewählt haben: man hört, dass ihre Mindestsicherung weiter gekappt werden soll. Der Abteilungsleiter macht sich daher Sorgen um den sozialen Frieden, auch in seiner Dienststelle. Ist noch nicht so lange her, dass er vor seiner Tür echte Dramen erlebte.