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01.02.2018

Unser Michl

Ebenso wenig Gaudium hat der Michl mit der schlechten Nachrede bei seinen ehemaligen Nachbarn.

Mag. Uwe Mauch | über Michael Ludwig

Seit Samstag ist es fix: Ich wohne nicht mehr draußen in ugly Transdanubien, sondern im Distrikt des künftigen Wiener Bürgermeisters. Mehr noch: Ich wohne schräg gegenüber vom Michael-Ludwig-Hof in spe. Denn unser Michl war bis vor ein paar Jahren quasi mein Nachbar.

Wo das genau ist, möchte ich nicht verraten. Vielleicht nur so viel: Das ist dort, wo die Wiener Wahlsprengel-Karte am dunkelblausten aufpoppt. Um es anders zu sagen: Wenn ich zwei Nachbarn unten auf der Straße treffe, kann ich mir leicht hochrechnen, was die beiden gewählt haben. Dabei war der Wahlsprengel vor zehn, 15 Jahren noch dunkelrot.

Gerne referiert der gelernte Historiker über die Erfolge des sozialen Wohnbaus in Wien. Dass er als bis dato einziger Wohnbaustadtrat in die Geschichte eingehen wird, der keinen Gemeindebau eröffnet hat, hört er hingegen weniger gern.

Ebenso wenig Gaudium hat der Michl mit der schlechten Nachrede bei seinen ehemaligen Nachbarn. Die ärgern sich, dass sein Vorgänger, der andere Michl, und er heute nur mehr von bunten Plakaten zu ihnen runterschauen. Und: Dass sich fast alle Genossen aus unseren Bauten verabschiedet haben, um nun in besseren Lagen zu wohnen. Was insofern schade ist, als an ihre Stelle lautstarke Krawallmacher getreten sind.