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14.12.2017

Und „a Eia“

In den Augen des Norddeutschen waren in der Sekunde wütende Fragezeichen zu erkennen.

Mag. Uwe Mauch | über den Wiener Dialekt

Ein grandioses Gespräch in der Schnellbahn mitgehört: Der norddeutsche Adventgast erkundigte sich lautstark bei seinem Wiener Gegenüber, was der Wiener und die Wienerin gerne zum Frühstück haben. Der Befragte, ein Hiesiger durch und durch, zählte einiges auf, um am Ende nicht auf unseren Wiener Singular zu vergessen: „a Eia.“

In den Augen des Norddeutschen waren in der Sekunde wütende Fragezeichen zu erkennen. Eia? Warum müsst ihr Wiener die letzte Silbe eines Wortes immer mit Weichspüler traktieren? Ein Ei oder einige Eier? Was jetzt? Zur Hölle mit euch! Nie könnt ihr euch deutlich und eindeutig ausdrücken!

Mir fiel meine norddeutsche Oma ein, die sich einmal sehr über die demonstrative Langsamkeit eines Obers in einem Wiener Kaffeehaus echauffierte. Zur Weißglut brachte er sie dann mit seiner großartigen Antwort auf ihre Frage, wie lange sie denn jetzt noch auf ihren „Kaf-fe“ warten müsste. So wenig präzise als er nur konnte, antwortete er: „A Wäu no.“

Und Joesi Prokopetz kam mir in den Sinn, der uns einst mit seinem sprachlichen Feingefühl den schier unerschöpflichen Wort-Reichtum des Wiener Dialekts für vage Mengenangaben vor Augen führte: „a bisserl“, „a Eudserl“, „a weng“, „a Bodsn“, „a Drumm“, „a Muadsdrumm“ oder eben auch „a Oasch voi“.