Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
16.11.2017

Rettet den „Hängl“!

Ist fast ein bisserl schade, dass es noch keine „Rettet den Hängl“-Facebook-Gruppe gibt.

Mag. Uwe Mauch | über den Haltegriff

Der Hängl ist eine Ur-Wiener Synekdoche. Weniger gespreizt ausgedrückt: Er ersetzt das Wort Straßenbahn durch einen Begriff aus demselben Begriffsfeld – den Haltegriff. Der fährt mit’m Hängl heim heißt demnach: Der gute Freund lässt sein Auto vorsichtshalber vor’m Wirtshaus stehen und lässt sich mit der Tramway heimkutschieren. (Was sehr vernünftig ist, weil er schon leicht übererfrischt ist.)

Wir könnten selbstverständlich auch sagen: Er radiert mit dem Schienenschwein heim. Aber das nur nebenbei.

Denn hier soll es ausschließlich um den Hängl gehen, der schon seit Generationen von Straßenbahnen und Autobussen im Rhythmus der Fortbewegung munter durch die Gegend schwingt. Über den Köpfen der Passagiere.

Noch kam niemand auf die Idee, eine Kulturgeschichte des Haltegriffs in öffentlichen Verkehrsmitteln zu schreiben, da ist dieser traditionsreiche Anhaltspunkt urbaner Gesellschaften auch schon vom Aussterben bedroht. Visionäre Stadtforscher und Industriedesigner wollen herausgefunden haben, dass der Hängl ein Auslaufmodell ist. Weil sich ihren Forschungen zufolge niemand mehr daran (an)hält.

Hab’ gerade nachgewassert. Ist fast ein bisserl schade, dass es noch keine „Rettet den Hängl“-Facebook-Gruppe gibt.