Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
02.11.2017

Fair. Im Gemeindebau

Statt vordergründiger Rhetorik braucht es mehr seriöse Konzepte.

Mag. Uwe Mauch | über den Gemeindebau

Aus Fairness-Gründen: Jene Gemeindebau-Bewohner, die mehr verdienen, sollen eine marktkonforme und damit höhere Miete bezahlen. Das klingt aufs Erste ganz plausibel. Das kann allerdings nur jemand fordern, der den Gemeindebau noch nie von innen betrachtet hat.

Nehmen wir meine Nachbarn: Pensionisten mit einem monatlichen Haushaltseinkommen weit entfernt von politischen Mandataren; Familien mit und ohne Migrationshintergrund, die finanziell mit Ach und Weh über die Runden kommen; des weiteren Menschen, die über die „soziale Schiene“ zu einer Kleinstwohnung gelangt sind und von der Mindestsicherung leben, einige hoch verschuldet, ohne Aussicht auf Arbeit; nicht zu vergessen auch die bravourösen Alleinerzieher(innen), die mit Working-Poor-Einkommen ihre Familien ernähren.

Ja, ich wohne auch auf einer der 16 Stiegen, in einer der 160 Wohnungen in diesem Gemeindebau. Und ja, über mein Einkommen können wir natürlich diskutieren. Aber wenn ich als Einziger statt 300 dann vielleicht 400 Euro Miete bezahle, wird das den Sozialstaat retten? Nach Adam Riese eher nicht.

Statt vordergründiger Rhetorik braucht es mehr seriöse Konzepte, um einen Bauboom wie nach beiden Weltkriegen und eine bessere soziale Durchmischung zu ermöglichen.